Und fort war er.
Hellwig atmete auf. Fluchtartig, damit ihn nicht abermals jemand aufhalte, hastete er durch die rückwärtige Gartentür auf die Gasse und lief seinen alten Weg über die Brücke, die Hügellehne hinan zu den stillen Lichtungen, wo im Sommer die Erika glühte. Jetzt standen späte Himmelschlüssel in den Fluren und in heimlichen Waldwinkeln unter Strauchwerk versteckt blühten die Maiglöckchen auf.
Er suchte die Einsamkeit. Aber er fand sie nicht. Überall regte sich’s, trieb Blätter, surrte um Blumen, flatterte, zwitscherte, lockte und holte sich die Genossin. Da warf er sich mit dem Gesicht nach abwärts auf den Boden und deckte die Hände vor die Augen. Er schämte sich seiner Liebe. Weil sie ihn von einem andern Wesen abhängig machte, ihm die Selbständigkeit raubte, als ein Fremdes von seinem Herzen Besitz ergriff, seine Ziele verdunkelte und Zwiespalt in sein Wollen brachte, ohne daß er sich davon befreien konnte. Er bäumte sich dagegen, wollte das Gefühl ersticken und den Zwang abschütteln. Aber immer wieder drängte sich das Bild des schlanken Mädchens unter seine wirbelnden Gedanken, zwang ihn, an schimmernde Augen zu denken, an trotzig geschürzte Lippen und blondes Haar, das über einem feinen Gesicht wie ein Goldhelm leuchtete.
Und endlich erlahmte ihm die Kraft zum Widerstand. Auf dem Rücken liegend, schaute er traumverloren in das durchsonnte grüne Netz der Äste, ließ sich von seiner Sehnsucht leise wiegen. Ein Kuckuck schrie aus der Ferne immerzu. Und jetzt sang auch von irgendwo eine schmetternde Männerstimme in den fröhlichen Wald hinein:
„Es fallen drei Sterne vom Himmel,
Die geben hellen Schein.
Wer wird uns früh aufwecken
Beim braunen Mädelein?
Ei, wer uns früh aufwecken wird?
Das tun die Waldvögelein.