Und sie gingen in die Schenkstube. Dort aß der ausgehungerte Mensch fünf Knackwürste, trank einen Liter Bier dazu, wurde fröhlich und bedankte sich. Die umhersitzenden Kutscher aber, die Dienstmänner und Laufburschen zeigten auf ihn und meinten: „Seht den Glückspilz an, er hat heut’ Ostern, Pfingsten und Weihnachten!“
Heinz drängte jetzt zum Aufbruch. Sie überließen den Gesättigten seinem Schicksal und machten sich auf den Heimweg. Keiner sprach. Karus ging Arm in Arm mit Wart. Fritz schlenderte nebenher und dachte allerlei. Wohinaus wollten die zwei? Er sah noch immer nicht klar, erkannte nur, daß sie in ganz anderen Gleisen gingen als er selbst und daß er ihnen dorthin nicht zu folgen vermochte.
Jetzt waren sie bei Karus’ Wohnung angelangt. Oben warfen sie ihre Überkleider auf das Bett, setzten sich, rauchten und schwiegen eine geraume Weile. Endlich sagte Fritz aus seinem Sinnen heraus: „Heinz, du gehst in die Irre! Man füttert solche Leute nicht mit Fasanen!“
„Wissen wir auch!“ sagte Karus.
„So? Und trotzdem ...“
„Jawohl, trotzdem und gerade deswegen! Unzufrieden muß man sie machen! Ihnen die guten Dinge vorrücken, die es auf der Welt gibt und von denen sie keine Ahnung haben. Dann werden sie lüstern. Und das stachelt sie auf wie die Bremse den Stier!“
„Nun und?“
„Nun und dann sind sie eben reif für unsere Gilde.“
„Euere Gilde? Gehören dazu jene, die lieber im Straßengraben verrecken, weil sie frei sein wollen?“
„Und ob die dazu gehören! Unsere braven Jungen, die lieber verhungern, eh’ sie sich was schenken lassen. Lieber stehlen, eh’ sie betteln. Weil ...“ — ein spöttisches Lächeln verkroch sich in Karus’ verwildertem Bart — „weil ihr bestes Recht ist, daß sie satt zu essen haben. Und weil sie sich zu keinem Ausgleich hergeben. Ihr Recht wollen sie, Bergprediger! Und gibt man’s ihnen nicht, so nehmen sie sich’s — wenn’s not tut mit Gewalt!“