Traurig und schwer wurde ihm ums Herz. Und doch war eigentlich nicht der Traum daran schuld, sondern der wieder aufgeweckte Gedanke, daß er nun bald der Mutter des toten Freundes werde gegenübertreten müssen. Er dachte an jenen Abend, da sie mit rauschenden Gewändern im Regen neben ihm hergegangen war und dem kranken Kinde einen starken Freund zu werben geglaubt hatte. Alles hatte sie von dieser Freundschaft erhofft — und war nun um alles gekommen.

Und das Haus dort unten stand unverändert da und deckte mit seinen steinernen Mauern gleichmütig das Leid wie einst die Fröhlichkeit zu.

Noch kein Gang war ihm so schwer geworden. Aber er mußte gegangen werden. Langsam stand er auf, schritt langsam über die Lehne ins Tal.

Jetzt stand er vor dem alten Haus, trat ein und wunderte sich, daß der Flur so geräumig und still, der Hof so öde war. Kein Pferdegewieher, kein Aufladerlärm. Nur ein paar Kisten lagen einsam, wie vergessen da.

Mit geschnürtem Atem stieg er die Treppe empor, fand die Tür zum Vorzimmer offen, ging hinein. Er nahm den Rucksack vom Rücken, hing Hut und Wanderstecken an den Kleiderständer, klopfte an die Tür der Wohnstube.

„Herein!“ sagte eine weiche Stimme. Eva stand vor ihm, schlank und blaß, in schwarzen Gewändern.

„Fritz!“ sprach sie leise, kam auf ihn zu und legte ihm die Arme um den Hals. „Wie gut, daß du kommst!“

Wie etwas Selbstverständliches tat sie das, — so, als setzte sie nur ein begonnenes Träumen fort.

Unsicher schaute er auf den blonden Scheitel und wagte kaum zu atmen.

„Ist das wahr?“ fragte er endlich schwer.