„Lassen Sie das!“ Das klang zornig und klang drohend. Aber Fritz gab nicht nach.
„Seien Sie offen!“ bat er. „Was nützt das Versteckspielen? Nur daß alle darunter leiden.“
Ganz ruhig war es rundum. Manchmal nur raschelte es in den Zweigen der Bäume, fiel ein überreifer Apfel zu Boden. Dann war es wieder still, und lautlos webte die Dämmerung am dunklen Mantel der Nacht.
Der Kaufmann atmete ein paarmal tief auf. Dann sagte er: „Im Anfang, Fritz, im Anfang, da ist’s schon so gewesen. Man sucht halt immer nach einem Verführer, wenn einem ein Liebes Schande macht. Später aber, nach dem Ärgsten ... da hab’ ich mir gedacht, man kann eine Kugel nicht aufhalten, wenn sie aus dem Rohr ist. Es wird wohl auch so gewesen sein. Wie blind ist er hineingerannt ... Ich tät Ihnen mein Mädel nicht geben, wenn ich anderer Meinung wäre. Ich hab’ nur die eine ... Das wird wohl genügen?“ fügte er noch hinzu, in einem Ton, der deutlich erkennen ließ, daß er die Fortsetzung des Gesprächs nicht wünschte.
Fritz schüttelte den Kopf. „Nein, Herr Wart, es genügt noch nicht, so sehr ich Ihnen dafür dankbar bin. Aber Schande? Schande hat Ihnen Heinz nie gemacht!“
„Der Galgen ist wohl eine Ehre?“ rief da der unglückliche Vater und barg sein Leid hinter einem höhnischen Auflachen.
Hellwig schaute ihm fest ins Auge. „Mitunter ganz gewiß!“ sagte er. „Auch Savonarola haben sie aufgehängt, den Erlöser haben sie gekreuzigt, den Huß verbrannt ...“
„Die haben auch nicht gemordet,“ unterbrach ihn Wart tonlos und schauderte zusammen.
„Heißt es Mord, einen Menschen wegräumen, von dem man weiß, daß er in der nächsten Stunde tausend Unschuldige umbringen wird? Das ist kein Töten, das ist Selbsthilfe der Menschheit.“
„So nennen Sie’s! Andere nennen’s Mord.“