Kolben rückte sich ein wenig auf seinem Stuhl zurecht. „So kommen wir nicht vom Fleck!“ meinte er. „Fangen wir schön von vorn an. Warum soll denn eigentlich gestreikt werden?“

„Sehr richtig, das möchte ich auch wissen!“ platzte Mark heraus. Leibinger aber fiel ihm sofort ins Wort: „Der Grund ist doch schon längst bekannt. Die vereinbarte Arbeitszeit soll vom Zeitpunkt des Einsteigens in die Förderschale bis zum Zeitpunkt des Aussteigens gerechnet werden. Nicht, wie die Kohlenbarone rechnen, von der Ankunft bei der Arbeitsstelle im Schacht bis zum Niederlegen des Werkzeugs dortselbst. Denn um zur Arbeitsstelle zu gelangen, müssen die Leute oft stundenlang im Stollen gehn, so daß sie elf und noch mehr Stunden unter der Erde sind, statt der vereinbarten neun.“

„Ja, aber da haben die Leute doch ganz recht, wenn sie sich das nicht gefallen lassen!“ bekräftigte jetzt Mark und tat sehr entrüstet.

Hellwig sagte darauf: „Die Forderung ist berechtigt, gewiß! Das habe ich schon hundertmal gesagt! Aber ebenso oft hab’ ich euch vorgehalten, daß es jetzt einfach unmöglich ist, sie mit Gewalt durchzusetzen. Die Leute haben sich kaum vom letzten Ausstand erholt. Sommer ist auch. Die Lieferungen sind nicht dringend, die Grubenbesitzer können zuwarten, haben Zeit, haben die öffentliche Meinung für sich, da die Ursache des Streiks zu geringfügig, zu mutwillig erscheint. Und wir haben jetzt auch die Mittel nicht, sie wirksam zu unterstützen. Auf den Schiffswerften streiken achttausend. Wo sollen wir’s denn hernehmen? Fragt Kolben! — Wie viel hast du in der Streikkasse!“

„Warte!“ erwiderte dieser und rechnete leise vor sich hin. „Zwanzigtausendsechshundertzwei Kronen vierzehn — zuletzt sind siebzehn Kronen acht dazu gekommen: — Zwanzigtausendsechshundertneunzehn Kronen zweiundzwanzig Heller!“

„Da habt ihr’s! Das reicht kaum vier Tage!“

Leibinger unterbrach ihn schnell: „Es ist weitaus genug, wenn man die Spenden hinzurechnet. Und gar so lang kann’s nicht dauern!“

„Leibinger, nimm doch Vernunft an!“ rief Hellwig.

„Das möcht’ ich dir raten! Wir müssen Erfolg haben!“

„Auch ich wäre für den Versuch!“ bemerkte Anheim. „Im Notfall kann die Arbeit jeden Tag wieder aufgenommen werden.“