Als er gegangen war, blieb Hellwig noch lang unbeweglich vor dem Schreibtisch sitzen. Da hatte ihm einer die Möglichkeit gezeigt, wie er sein Lebenswerk erfüllen konnte. Und es war ihm, als ob er in eine ungeheure Helligkeit schaute, die ihn blendete und alle Gegenstände überstrahlte, so daß nichts anderes zu sehen war als Licht und Licht. So — wie man die Möven nicht sieht, die Barken nicht und nicht die Schiffe, wenn die Sonne auf den See scheint und seine Fläche zum Spiegel macht. Und man weiß doch ganz sicher, daß dort klares Wasser ist und freut sich und kann es nicht erwarten, bis man die Kleider vom Leib ziehen und in dem kühlen Silber untertauchen kann.

Da tat sich die Tür auf und Eva kam herein, sacht, schüchtern, mit dem aufrechten Königinnengang des tragenden Weibes. Nun sprang er empor, hob die Arme seitwärts und aufwärts, mit einer so ungestümen, frohen und leidenschaftlichen Bewegung, als wollte er eine Welt umspannen.

„Eva ...“ stammelte er. „Eva ...“

Eine Sekunde nur schaute sie ihn befremdet an und wunderte sich über den Glanz in seinen Augen. Dann wußte sie, daß eine Wendung eingetreten, daß ein großes Glück für ihn im Anzug sei. Mit ausgestreckten Händen trat sie auf ihn zu: „Fritz ... Ist’s jetzt wieder gut, Fritz?“

„Ja!“

Und nun erzählte er es ihr. Aber während er redete, verlor sich mehr und mehr die beschwingte Zuversicht der ersten Freude. Er begann von den Hindernissen zu sprechen, die zu beseitigen, von den Schwierigkeiten, die zu überwinden waren. Die Skrupel kamen, aus Licht wurde Schatten und keins der Bedenken, die ihm aufstiegen, verhehlte er ihr. Nach Reinholts Schilderung lag die Industrie in jenem Lande zwar sehr im argen, aber gerade in der Gegend, wo auch sein Unternehmen stand, waren noch einige kleinere Spinnereien und Webfabriken, die insgesamt kaum zweitausend Leute beschäftigten. Doch diese gehörten fast ausnahmslos zu jener Partei, die gegen Hellwig als Abtrünnigen den Bannfluch geschleudert hatte.

Für den Anfang, zu diesem Schluß kam er endlich, für den Anfang werde sich wohl eine Trennung nicht vermeiden lassen. Erst wenn der ärgste Wirrwarr vorüber, die neue Ordnung einigermaßen befestigt sei und sich eingelebt habe, werde ihm Eva folgen können.

Sie hörte es und wurde blaß. „Und das Kind?“ fragte sie tonlos.

Einen Augenblick zögerte er mit der Antwort. Er fühlte ein Würgen in der Kehle. Aber sie sollte, sie durfte nicht merken, wie nah es ihm ging. „Ich werde euch unterdessen nach Neuberg bringen,“ sagte er. Da ließ sie traurig den Kopf sinken und sprach kein Wort mehr.

12.