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Als Fritz endlich wach geworden, ging er mit Kolben in den ersten Stock hinauf. Kaum ein Wort hatte er bisher geredet. Und als er im Vorzimmer seiner eigenen Wohnung stand, spürte er den ungestümen Schlag seines Herzens bis in der Kehle. Kolben aber ließ ihn draußen warten und ging allein hinein, um Eva vorzubereiten. Ruhig und launig wie alle Tage begrüßte er sie und tat, als wäre gar nichts Ungewöhnliches vorgefallen oder im Anzug. Der vierjährige Hansl war mit dem Dienstmädchen spazierengegangen.

Wo war die Frohsinn blitzende Eva von früher? Ganz zu tiefst, in den verstecktesten Winkel des Herzens, mußte sich die Fröhlichkeit verkrochen haben. Keine Spur davon war mehr in den schwermütigen Augen, dem ernsten Antlitz, das deutlich die Zeichen gelittener Schmerzen eingefaltet trug. Nur in den blonden Haarspitzen leuchtete etwas, ein flink Bewegliches, Übermütiges, und war schon wieder weg. Kaum wie ein schnell vorbeihuschendes Erinnern an funkelnde Jugend und sonnige Tage war das gewesen.

Unten schritt ein Briefträger über die Straße.

„Haben Sie keine Nachricht von Fritz?“ fragte da Eva unvermittelt.

„Dasselbe wollte ich Sie fragen ...“

Ein trauriges Lächeln ging um ihre Lippen.

„Mich? Seit Wochen hat er nichts hören lassen. Ich weiß schon nicht mehr, was ich mir denken soll!“

„Schreibfaul war Fritz von je.“

„Aber so lang hab’ ich noch nie warten müssen!“