Nun flog doch wieder etwas wie ein Lächeln über Hellwigs Gesicht: „Was macht mein lieber Bogner?“

Die harte Greisenhand strich zärtlich über seinen Rock.

„Jetzt geht’s schon wieder, Meister. Weil ich Sie nur gesund wiederseh’. Im Anfang freilich ...“ — und nun ballte er die Faust — „Die verdammten Kerle! Gott hab’ sie selig, aber wenn sie nicht schon der Teufel geholt hätte, ich selber müßt’ ihnen was antun ...“

„Ihr seid ja ein ganz blutgieriger Kumpan!“ meinte Kolben lächelnd. Und der Alte darauf: „Ja, Herr, Sie sind eben nicht dabei gewesen. Wie das so gekommen ist, so auf einmal mitten in den tiefen Frieden hinein wie ein Hagelwetter, — man kann kaum ein Vaterunser beten, ist schon alles hin ... Der alte Schädel kann’s wirklich nicht aufnehmen ...“ Und wieder in flackerndem Zorn, mit geballter Faust: „Der Hund, der Karus!“

„Wie ist’s mit ihm gewesen?“ wandte sich da Fritz rasch an Pfannschmidt.

„Ich hab’s nicht gesehen,“ erwiderte dieser, „weil mir der Hieb zu schaffen gemacht hat. Aber wie sie erzählen, — er muß rein den Tod gesucht haben.“

„Ja, Meister!“ fiel ihm nun Adam Pichler ins Wort. „So was glaubt niemand, der’s nicht mit angeschaut hat. Wie die Schießerei losgehen soll, steht da nicht der Mensch oben auf dem Steinhaufen mit der Hacke in der Hand? Und wie sie sich schußfertig machen, springt er, Meister, er springt, so wahr ich leb’, mitten unter die Soldaten. Stücker drei, vier schlägt er, daß sie wie Bullen umfallen, dann haben sie ihn fest. Er aber reißt einem das Bajonett heraus — ‚Lebendig nicht!‘ schreit er und ‚Mordbuben!‘ und so was wie ‚Heinz!‘ und hat sich auch schon ins Herz gestochen.“

„Er wollte nicht mehr leben ohne Heinz ...“ murmelte Fritz verstört.

Ganz still war es nach diesen Worten. Die Abendsonne fiel schräg durchs Fenster und wob um alle einen warmen goldenen Schein. Wie eine Botschaft des Friedens war das, und alle Herzen pochten ruhiger.

„Fritz, wir kommen eigentlich mit einer Bitte ...“ sagte Reinholt nach einer Weile.