„Das nicht, — aber ... ich weiß das eben ...“
„Nicht wahr, er ist ein garstiger Junge!“ seufzte sie. „Horchen Sie nur, wie er schreit! Was er nur wieder haben mag?“
„Es reut ihn, daß er so schroff gewesen. Der arme Otto muß jetzt dafür büßen. Aber der verträgt’s!“ erwiderte Heinz leichthin.
Zweifelnd blickte sie ihn an: „Zeit wär’s schon, Herr Heinz, wenn er einmal zu Vernunft kommen wollte. Immer ist er gleich obenhinaus. Wenn man doch nur sein Bestes will ...“ — ihre Tränen begannen wieder zu fließen — „und wenn man dann nichts als Undank davon hat, das tut weh. Nicht ein bissel hat er mich lieb!“
„Er zeigt’s Ihnen bloß nicht!“ versuchte Wart den Freund zu verteidigen. Die Witwe aber klagte unbeirrt fort: „Das kommt alles nur daher, weil er in keine Kirche mehr geht. Wohin soll das führen? Noch keinem ist’s gut gegangen ohne den lieben Gott, das können Sie mir alten Frau schon glauben ... Es ist ein Kreuz, ein rechtes Kreuz mit dem Jungen! — Aber da steh’ ich und red’ und vergess’ ganz, ich — hab’ ja noch ein paar Lederäpfel. Die müssen Sie kosten! Der Fritz fliegt nur so darauf!“
Da sah Heinz, daß hier ein Trost nicht nötig war, und während Frau Hellwig geschäftig die runden Früchte auf einem Teller ordnete, ging er wieder ins Zimmer zurück.
Fritz vermied es jedoch seit jenem Tage, die Freunde in seine Wohnung mitzunehmen.
5.
Weihnachten war vor der Tür, und damit war auch die Zeit gekommen, da Pater Romanus seine Schäflein zur ersten von drei schuljährlichen Beichten zu verhalten pflegte. Sämtliche verfügbaren Seelenhirten von Neuberg, insbesondere die frommen Mönche aus dem Franziskanerkloster, leisteten werktätige Beihilfe. Klassenweise wurden ihnen die Schüler zugewiesen, wobei jedoch Romanus besondere Wünsche seiner Studenten nach Möglichkeit berücksichtigte. Allen konnte er’s freilich nicht recht machen, weil nach einzelnen Beichtvätern wegen ihrer Milde eine allzu rege Nachfrage herrschte, die Milde nach der Kürze der Ermahnungen und der Bußgebete eingeschätzt.
Hellwig aber trachtete diesmal bei dem allgemein gefürchteten Pater Guardian anzukommen, der nicht im Beichtstuhl, sondern in seiner Zelle die Verfehlungen der Gläubigen anzuhören und endlose geharnischte Reden gegen die armen Sünderlein loszulassen pflegte.