Jede Rede verschlug es ihm jedoch, als Fritz, kaum auf dem Schemel niedergekniet, rauh hervorstieß: „Meine Beichte ist kurz, ich glaube an gar nichts!“
Ein langes Schweigen folgte den Worten. Die kleine, vertrocknete Priestergestalt saß ganz unbeweglich, und der kahle Schädel leuchtete wie eine große Billardkugel unter Hellwigs niederschauenden Augen.
„Ich glaube an gar nichts!“ sagte er endlich nochmals.
Nun regte sich unbehaglich der Leib in der dunklen Kutte, zwei wässrige Augen mit roten Rändern schauten hilfeheischend zur Decke und eine zögernde Stimme fragte: „Ja ... lieber Bruder ... lieber Bruder ... wie sind Sie denn dazu gekommen?“
„Durch Nachdenken und Vergleichen, auch durch Lesen,“ erwiderte Fritz und blickte dem Frater fest ins Gesicht. Der rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her und suchte nach einer schicklichen Einleitung.
„Lieber Bruder,“ fing er endlich an, und Hellwig wunderte sich über die freundliche Stimme, den warmen Blick des als unleidlich streng Verrufenen. „Lieber Bruder, Sie sind noch jung und daher leicht zur Übertreibung geneigt. Sie glauben an gar nichts, sagen Sie, aber Sie sagen das nur, weil Ihnen noch nicht klar geworden ist, daß wir alle, die wir Menschen sind, sehr wenig wissen und sehr viel glauben. Sie glauben jetzt vielleicht den Worten eines alten Priesters ebensowenig wie den Worten der Heiligen Schrift. Aber einen Schöpfer lassen Sie doch gelten, nicht wahr?“
„Nur die Natur!“
„Dann haben Sie lediglich einen anderen Namen für denselben Gegenstand und glauben nur an einen Teil unseres allumfassenden Gottes. Denn: meinst du, daß ich ein Gott nur in der Nähe bin und nicht auch ein Gott in der Ferne? Erfülle ich nicht Himmel und Erde, spricht der Herr. — Wollen Sie mir jetzt ein paar Fragen ehrlich beantworten?“
Der Jüngling nickte stumm.
„Sagen Sie mir also vor allem, wie Sie es mit den zehn Geboten halten, vom vierten angefangen. Bemühen Sie sich, die darin vorgeschriebenen Pflichten gegen die Eltern und Nächsten sowie gegen sich selbst zu erfüllen?“