„Seit zwei Monaten jeden Sonntag. Ich hab’ es nicht gezählt!“

„Aber Hellwig, was soll das heißen? Wie können Sie das rechtfertigen?“

„Ich habe keine Entschuldigung, Herr Professor. Ich bin nur so nicht hingegangen!“

„Kind!“ Beschwörend streckte Romanus die Arme aus, als wollte er die Worte nicht an sich heran kommen lassen.

Mäuschenstill war es in der Klasse. Die Oktavaner in den Bänken hielten den Atem an und starrten mit ängstlicher Bewunderung auf den stillen, sonst so wenig beachteten Kameraden und wunderten sich, wie der Duckmäuser gegen den gefürchteten Lehrer aufzutreten wagte.

Pater Romanus hatte das auch nicht erwartet. Er wußte nicht recht, wie er sich dazu verhalten sollte. Um Zeit zur Überlegung zu gewinnen, richtete er seine Augen langsam auf Otto, betrachtete ernst und prüfend dessen gesenktes Haupt und fragte schärfer:

„Und was ist mit Ihnen, Pichler?“

„Ich ...,“ stammelte der und stockte gleich.

„Wie oft haben Sie gefehlt?“

Otto warf einen scheuen Blick auf die gefurchte Stirn des Lehrers und sah schnell wieder zu Boden. Sein ganzer Mut hatte ihn verlassen.