Die tiefe Baßstimme Wart Nikls dröhnte hallend weithin durch den ruhevollen Herbstmorgen. Bald rief er einem bekannten Jäger ein Weidmannsheil zu oder erwiderte lärmend den Gruß eines Vorübergehenden, bald hatte er ein Scherzwort für seine Tochter oder zeigte er seiner Frau die Grenzlinien der einzelnen Besitzungen und lobte oder schimpfte nicht gerade leise über deren Bewirtschaftung.

Langsam schlenderte Hellwig hinter der Gesellschaft her. Da schob sich plötzlich ein fremder Arm unter seinen. „Kommen Sie!“ sagte Doktor Kolben. „Wir gehn Schwämme suchen.“

Fritz sah ihn verwundert an. Eine so vertrauliche Annäherung war bei dem in sich verhaltenen Menschen etwas Ungewöhnliches.

„Ich weiß hier herum ein paar famose Plätze!“ sprach dieser weiter und tat, als merkte er das Staunen des andern nicht. „Hier links in den Wald einige hundert Schritte aufwärts. Dort pflegen Herrenpilze zu wachsen.“

Noch einmal schaute Hellwig nach dem Mädchen. Das lachte eben Pichlern zu, der sein Schmollen aufgegeben hatte. Da fühlte er ein leises Zucken im Herzen. Er preßte die Lippen fest aufeinander. Eine tiefe Falte stand ihm wieder einmal über dem scharf einspringenden Nasensattel senkrecht auf der steilen Stirn. Das hagere Gesicht bekam sein kühnes, wie versteintes Aussehen. Ohne Widerstand ließ er sich von Kolben in den Wald führen.

Zwischen den geraden Kieferstämmen, die mit dürftigen Kronen wie erschöpfte Krieger in Reih und Glied standen, gingen sie auf dem rostroten Nadelboden, über gewundenes Wurzelwerk und dann wieder durch rauschendes Heidelbeergestrüpp eine gute Weile stumm vorwärts.

„Hier ist einer!“ sagte der Doktor, bückte sich und durchschnitt mit dem Taschenmesser den Strunk eines Pilzes. Fritz sah gleichgültig zu. Kolben steckte den Fund in die Tasche. Von Moos und Farnkräutern umwuchert, lag ein niedriger Felsblock quer über dem Jagdsteig. Kolben setzte sich. Fritz stand daneben und schaute düster in das bewegliche Gitter aus Sonnenstrahlen und Wipfelschatten auf dem Boden.

Der Doktor brach endlich das Schweigen. „Was ist eigentlich mit Ihnen los, Hellwig? Was drückt Sie?“

Seine Stimme klang warm und herzlich. Aus seinem Antlitz war alle kalte Verschlossenheit weggewischt. Aber Fritz erwiderte schroff abweisend: „Was veranlaßt Sie zu dieser Frage?“

„Lassen wir den Stolz beiseite!“ antwortete Kolben. „Aussprache tut immer gut. Sie gehn ja herum, als ob Sie jeden Halt verloren hätten.“