Er hatte einsehen gelernt, daß er seine Kräfte an etwas zu verschwenden im Begriff gewesen, das keiner ergründen konnte. Daß der Gedanke an den Zustand nach dem Tode ein Feind des Lebens sei. Und daß die Grübler und Dogmatiker die Menschheit um keinen Zoll vorwärts gebracht hatten, sondern nur die Handelnden, die Blutzeugen, die Männer der Tat.

‚Ich schreib’ getrost: Im Anfang war die Tat!‘ — Jetzt fiel’s ihm wieder ein, und jetzt konnte er auf einmal nicht verstehen, wie ihn nicht schon damals, als er den Faust las, diese einfachste und klarste aller Weisheiten auf die richtige Spur gebracht hatte. Daß er erst noch viele Monate im Dunkeln getappt und sich gemartert hatte, bis ihn jetzt der viel verlästerte Kolben zum Ausgangspunkte zurückführte und die Bahn frei machte durch ein paar treffsichere Worte und mit Hilfe einer Übersetzung der Hymne ‚An einen unbekannten Gott‘ aus dem Rigveda. Da lag sie vor ihm im gelben Lampenlicht, Druckerschwärze auf vergilbtem Papier, und sprach mit tausendjähriger Zunge zu ihm, tröstete, beruhigte, richtete ihn auf durch die Erkenntnis, daß ein Rätsel, das seit unzählbaren Jahren die Menschen zu ergründen sich mühten und nicht ergründen konnten, kein Rätsel sei, sondern vererbter Wahn mit einem Inhalt ohne Wert für das Leben und für die Entwicklung, eine taube Nuß.

Wieder und wieder las er das mächtige Gedicht in der meisterhaften Übertragung, jetzt im Zusammenhang, jetzt einzelne Strophen, und als er sie alle auswendig wußte, sprach er die letzten noch und abermals laut vor sich hin:

„Wer weiß es denn, wer hat es je ergründet,

Woher sie kam, woher die weite Schöpfung?

Die Götter kamen später denn die Schöpfung —

Wer weiß es wohl, von wannen sie gekommen?

Nur er, aus dem sie kam, die weite Schöpfung,

Sei’s, daß er selbst sie schuf, sei’s, daß er’s nicht tat —

Er, der vom hohen Himmel her herabschaut,