„So behalten Sie diese Ehre!“ sagte Deimling spöttisch. „Womit ich die Ehre habe!“

Braun aber machte noch einen Versuch.

„Sie sind dann in der Gesellschaft unmöglich,“ gab er ihm zu bedenken. Und Fritz leidenschaftlich darauf:

„Ich will auch nichts mehr gemein haben mit jenen! Sie reden von ihrer Liebe und brüsten sich mit ihrer Treue zum Volke. Aber das sind nichts als Worte! Worte! Wer wegen eines Schmarrens sein Leben in die Schanze schlägt, leichtsinnig und unbedenklich hinwirft, wer skrupellos ein Leben vernichten kann, und alle, die dies loben und in Ordnung finden, alle, die für die Macht ihres Volkes begeistert schwärmen, gleichzeitig aber dulden, daß auch nur das kleinste lebendige Teilchen dieses Volkes zwecklos zerstört wird — alle die sind Phrasensager und Lügner und haben keine Ehrfurcht, weder vor ihrem Volke noch vor der Menschheit. Das ist es. Und darum schlage ich mich nicht und darum kann ich auch Ihre Verachtung ertragen!“

Während er redete, war er ganz ruhig geworden. In den letzten Worten hatte sogar eine leise Überlegenheit durchgeklungen. Jetzt setzte er sich und spielte mit dem Federkiel auf dem Tisch. Die beiden Studenten entfernten sich wortlos.

Fritz atmete leicht und froh. Die Brücken waren abgebrochen und hinter ihm verbrannt. Mochte kommen, was da wollte — er hatte wieder pflugreife Erde unter sich.

Seine Energie und Spannkraft waren wieder da, drängten nun, je länger sie in müßiger Ruhe gelegen, je ungestümer vorwärts, forderten eine unzweideutige und ganze Tat.

Jener flüchtige Blick in das Treiben der Obdachlosen hatte ihm die Richtung neu gewiesen. Und nach der Erschütterung über den gewaltsamen Tod des Astronomen war wie nach einem schweren Sommergewitter reine, klare Luft geworden. Nicht darauf konnte es ankommen, ob ein Volk stärker, mächtiger, fortgeschrittener, besser sei, als das andere, sondern daß alle ohne Unterschied leben konnten, wie es ihrer Menschenehre gebührte.

In alle Fernen und Weiten schweifte seine junge Begeisterungsfähigkeit und entzündete sich an dieser Vorstellung zu einer hellen und starken, ganz warmen Glut. Und in der glückhaften Erregung, die sich seiner nach dem Weggehen der beiden Herminonen bemächtigte, begann er, zum erstenmal, seine Gedanken niederzuschreiben und schrieb in einem Zuge bis in die Nacht hinein an einer Abhandlung, in der er die uralte Lehre von der Menschenverbrüderung mit seinem Feuer neu vergoldete.

Mit der frohen Raschheit, die ein glückliches Gelingen auslöst, packte er das Manuskript, kaum daß die Tinte trocken geworden, zusammen, siegelte und adressierte es an die ‚Freien Blätter‘, das führende Organ der Sozialisten in der Reichshauptstadt. — —