„Ach so!“ sagte Hellwig und fügte hinzu: „Du bist wenigstens aufrichtig, das ist doch etwas.“

„Immer!“ versicherte Otto. Dann fuhr er fort, und sein gönnerhafter Ton bekundete, daß er sich neben dem Geächteten sehr brav und bieder vorkam. „Deswegen,“ — fuhr er fort — „deswegen aber keine Feindschaft! Wir bleiben die alten, das ist selbstverständlich. Wir treffen uns auch regelmäßig und zwar in einem sicheren Wirtshaus, das noch gesucht werden muß. Öffentlich, muß ich dich leider bitten, so zu tun, als ob wir jeden Verkehr abgebrochen hätten. Ich werde es gerade so halten, aber sonst — unter vier Augen — alles wie früher! Gilt’s?“

Er streckte ihm die Hand hin. Fritz sah über sie hinweg. „Du bist sehr großmütig!“ meinte er mit kaltem Spott. „Aber ich hab’ solche Heimlichtuerei nicht gern. Ein ehrliches Entweder — Oder ist mir schon lieber.“

„Wie du willst — ich bleibe trotzdem dein Freund.“

„Ein Freund, der nicht den Mut hat — — ach, weißt du, reden wir nicht weiter davon, es ist so müßig.“

Er setzte sich zum Schreibtisch, nahm irgendein Buch vor. Aus alter Gewohnheit suchte er dabei nach seiner Pfeife, die stets handgerecht am Tischbein lehnte. Sie war nicht mehr dort, war überhaupt aus dem Zimmer verschwunden. Die Wondra hatte sie wieder an sich genommen, weil so ein ehrwürdiges Erbstück von den Lippen eines Verfemten nicht entweiht werden durfte.

Wieder lächelte er. Ein leises, bitteres Lächeln. So kleinlich war das alles, so überflüssig und bedeutungslos.

Noch öfter hatte er im Verlauf dieser Tage Gelegenheit zu einem solchen Lächeln. Wie ein Aussätziger wurde er gemieden. Sogar der sanfte Fundulus drückte sich scheu an ihm vorbei, mit gesenkten Lidern und allen Zeichen mitleidender Verlegenheit. Niemand erschien am Abend, um ihm eine Blume zuzutrinken oder ihn zum Spiel aufzufordern. Auch kein Bier holte ihm die Wondra.

Er hatte die Absicht gehabt, die Wohnung zu verlassen, sobald er ein anderes Zimmer gefunden. Jetzt aber entschloß er sich, die ganzen vierzehn Tage auszuharren. Niemand sollte ihm nachsagen, daß er vor Verachtung geflohen sei. Und gerade zum Trotz, nur um sich zu zeigen, ging er jetzt in alle Studentenwirtshäuser, saß allein an einem Tisch, und während ein geringschätziges Lächeln um seinen Mundwinkeln lag, dachte er an die Zukunft und wie er sich einrichten würde.

Steif aufgereckt schritt er dann durch die Haufen seiner früheren Bekannten, schaute ihnen mit freien, hellen Augen ins Gesicht. Mancher wurde dadurch verwirrt, griff zum Gruß nach seiner Kappe. Aber er erhielt den Gruß nicht zurück.