Der Doktor schrieb fleißig und bedeckte Bogen um Bogen eines starken gelblichen Papiers mit regelmäßigen Buchstaben in gedrängten Zeilen. Da klopfte es, die Tür ging auf und Fritz stand so, wie er eben vom Bahnhof gekommen, in ihrem Rahmen.
„Schnell kommst du!“ sagte Kolben. „Und das ist sehr vernünftig. Sieh dir unterdessen die Bilder an, ich bin gleich fertig.“
Er deutete auf ein kleines, mit Mappen und Zeitschriften überladenes Tischchen in der Ecke. Dann ließ er die Feder wieder über die gelblichen Bogen wandern, und erst nach einer Viertelstunde legte er sie weg.
„So! Jetzt laß dich einmal anschaun!“
Er stand auf und Hellwig, der unterdessen die Zeitschriften durchstöbert hatte, ebenfalls. Der Doktor legte ihm beide Hände auf die Schultern und blickte ihm in die Augen. Fritz hielt eine kleine Weile diesem forschenden Blick stand, dann senkte er halb trotzig, halb verlegen die Lider.
„Laß gut sein!“ sprach Kolben. „Es hat nichts auf sich. Besser ein Jahr, als sich selbst verloren. So was macht jeder durch, wenn er nicht gerade ein bleichsüchtiger Musterknabe ist oder eine große Null. Also hör’ zu: Der Kampf ums allgemeine Wahlrecht soll langsam vorbereitet werden. Ein paar große Streike werden sich nicht mehr lang hinausschieben lassen. Die Schriftleitung der Freien Blätter hat junge unverbrauchte Kräfte dringend nötig. Ich schätze, es könnte dir nicht schaden, wenn du da ein bissel mittust. Willst du?“
„Geht denn das so einfach?“ fragte Hellwig und horchte hoch auf.
„Wird sich machen lassen. Ich hab’ das Kunstreferat, bin auch sonst mit den Leuten bekannt. — Es ist keine Protektion!“ beschwichtigte er, als Fritz eine heftig abweisende Bewegung machte. „Glaubst du, ich würde dich empfehlen, wenn ich dich nicht bis in die Nieren kennte? Noch einmal: Willst du?“
„Ich hab’ keine Ahnung von der ganzen Sache, weiß nicht, ob ich überhaupt dazu tauge ...“
„Du taugst schon. Und die Handwerksgriffe lernen sich leicht. Ein paar Wochen Einschulung, und das Werkel geht von selber. Zum dritten und letztenmal: Willst du? Ja oder nein?“