Plötzlich schritt Otto neben ihm her. Er hatte brennend rote Backen und war ganz kleinlaut.
„Fritz, — bist du bös?“ fragte er mit einem verlegenen Lächeln.
Brüsk wandte sich jener ab: „Ach geh, du! Du bist feig!“
„Nein, Fritz, da tust du mir unrecht!“
„Wortbrüchiger!“
„Fritz, ich mußte!“
„Du mußtest? Das ist ja eben die Feigheit!“
„Hör’ doch damit auf, Fritz! Schau’, wenn ich wirklich feig wär’, hätt’ ich dich jetzt gewiß nicht angesprochen, hätt’ mich viel eher seitwärts in die Büsche geschlagen. Und — ist es Feigheit, wenn ich die Verachtung meines Freundes zu tragen gewillt bin — meines Vaters wegen?“
Er machte eine Pause. Hellwig, von der unerwarteten Wendung überrascht, fand keine Antwort.
„Ja!“ fuhr Otto mutiger fort. „Wegen meines alten Vaters! Ich hab’ doch nicht wissen können, wie die Geschichte ausgehen wird. Und wenn ich auch nur Karzer oder eine schlechte Sittennote bekommen hätt’ ... was dann? Die Nachhilfestunden, die Freitische, die Schulgeldbefreiung — alles wär’ beim Teufel! Und dann hätt’ ich das Studieren eben einfach an den Nagel hängen können! Und mein Vater ist so stolz, daß wenigstens einer von uns achten studieren kann! Die Gründe mußt du mir gelten lassen, Fritz!“