Und manche, die früher den Provinzredakteur über die Achsel angesehen, suchten jetzt seine Bekanntschaft. Aber er blieb zugeknöpft und verschlossen und ließ sie sich nicht nahe kommen.

Ungleich gemütlicher verkehrte er mit seinen Quartiersleuten. Der Faßbinder war auf seine alten Tage auch Sozialdemokrat geworden. Wenigstens behauptete er es. Die waschechte Gesinnung übte indes weder auf seinen waschechten Hautüberzug, noch auf sein sonstiges Gehaben einen bemerkenswerten Einfluß. Nach wie vor schnupfte er, trank Schankbier und wusch sich nicht. Aber statt des nationalen Banners schwang er jetzt die rote Fahne. Freilich nur seinen Reden nach. Dafür aber gewaltig, mit dem Brustton der Überzeugung.

Er war stolz auf seinen Mieter und sonnte sich in dem Abglanz, der von dessen Beliebtheit auf sein Haus fiel. Jeden Besucher hielt er auf und fing ein Gespräch mit ihm an.

„Guten Tag, Genosse!“

„„Guten Tag!““

„Was Neues?“

„„Bin keine Zeitung!““

„Nun, nun, nur nicht so schnell! Lassen Sie doch unsern Herrn Genossen Hellwig ein bissel ausschnaufen!“

„„Geht nicht, Herr Meister! Die Sache ist dringend.““

„Schon wieder dringend? Ja, wir Roten! Wir marschieren nicht, wir laufen Sturm!“