„„Könnt da schlecht mit, was? Wenn die Beine schon wacklig werden!““

„Wacklig? Oho! Oho! Da schaun S’ her! La—uf—schritt!“

Und er lief ein Stück die festgefrorene sonnige Uferstraße entlang, warf die langen Beine wie ein Droschkengaul, stand still und schaute sich schnaufend und Beifall gewärtig um. Der Besucher hatte indes die Gelegenheit benützt und war ins Haus geschlüpft. Da nahm der Bindermeister eine Prise, spuckte in die Hände und schlug wütend auf seine Fässer.

Und wenn Hellwig aus dem Haus trat, frühzeitig, kaum, daß die Sonne hinter den weißen Bergen herauf wollte, machte sich der Binder, wenn ihn nicht noch der Kater im Bett festhielt, jedesmal an ihn heran.

„Schon auf, Herr Genosse?“ fragte er zutunlich. „Sind Sie denn nicht noch schläfrig? Arg spät war’s wieder. Ich hab’ schon einmal ausgeschlafen gehabt, wie Sie die Fenster aufgemacht haben. Passen Sie nur auf, daß Sie nicht verkühlen! Ich lieg’ immer bei zugemachten Fenstern und doch friert mich in der Nacht wie einen Italiener. Und jetzt gar Sie! Alle Fenster reißen Sie sperrangelweit auf. Das kann doch nicht bekömmlich sein!“

„Ich bin das so gewohnt, Herr Meister. Und dann, es liegt sich so schön, wenn’s dunkel ist und man hört draußen das Wasser am Eis vorübergehn. Es wiegt einen ordentlich!“

„Jawohl, schön haben wir’s schon dahier! Und eine Luft! Eine starke Luft! Die hält gesund und macht Appetit ... Teufelszeug noch einmal! Hat Ihnen meine Alte den Kaffee gebracht? Man muß jetzt schon fort hinter ihr her sein, wissen Sie, weil sie so arg viel vergeßlich wird. Sie trinkt zu viel. Das tut den Frauenzimmern nicht gut.“

Nun mußte Fritz hellauf lachen, weil hier einmal der Blinde über den Einäugigen König sein wollte.

„Nein, Herr Meister,“ sagte er, „auf den Kaffee hab’ ich noch nie zu warten brauchen. Und was das andere betrifft,“ — er klopfte dem Meergreis auf die knochige Schulter — „da sollten Sie sich doch erst selber bei der Nase nehmen. Groß genug ist sie ja!“

„Haha! — Haha!“ fing da der Alte ein stoßweises Gelächter an, und sein Bartwald kam in stürmische Bewegung. „Meine Nase — haha! — das ist ein gar wichtiges Glied der bürgerlichen Gesellschaft. Sie zahlt ihre Tabaksteuer und erspart meiner Alten die Nachtlampe! Also darf sie sich auch groß machen!“