Zärtlich verteilte er den Speck, den sie ihm gebracht hatte, unter das Fleisch und ließ es in gehobener Stimmung braten und bräunen.

Er hätte am liebsten vor Entzücken laut geschrien, als der gottesdienstliche Opferduft emporzusteigen begann.

»Noch etwas habe ich Ihnen gebracht,« sagte sie und zeigte ihm die Flinte, die sie mitgetragen hatte. »Es ist nur ein Vorderlader,« sagte sie, »denn es wäre aufgefallen, wenn ich meinem Bruder eines der teuren modernen Gewehre entwendet hätte, die unten im Zimmer hängen. Aber das nahm ich aus der Rumpelkammer; es war einmal ein luxuriöses englisches Gewehr, und für die paar Schüsse, mit denen Sie sich Ihren Lebensunterhalt verdienen, reicht auch die langsame Ladeweise. Schießen können Sie jetzt ruhig, man ist das in diesen Wäldern gewöhnt, und an Sie denkt niemand mehr. Hier ist das Pulverhorn, hier der Schrotbeutel und die Zündhütchen.«

Tikosch war vor Glück sprachlos, bekam Tränen in die Augen, und als er ihr die Hände küßte und sie seine Ergriffenheit fühlte, überkam sie selber die Rührung, dieses einsame Menschenkind mit geringer Gabe so reich und glücklich gemacht zu haben. Lange Zeit sprachen sie nichts und schufen schweigend an dem köstlichsten Abendessen, das sie beide je genossen hatten. Denn auch ihr war das Abenteuerliche ihres Zusammenseins mit dem Verfemten aufregend und bedeutend wie noch nichts in ihrem Leben.

Bald saßen sie denn in der wunderbar ernsten Waldnacht am Feuer, und sie legte ihm zu essen vor, als wäre sie seine Frau, und hatten sich doch erst vor ein paar Stunden im wilden Walde getroffen. Die hohen Bäume rauschten, als spräche ihnen Gott selber das Tischgebet dazu, das fremde Mädchen saß im Feuerschein wie eine antike Göttin, die einem Heimatlosen helfen gekommen war, und ihre Schönheit und die prangende Fernheit der Bergnacht waren so geheimnisreich, daß er immer wieder glaubte, alles sei unwirklich und ein wunderbarer Traum. Sie aber erzählte von dem Leben in diesen Wäldern, die schon am Morgen zu ihr ins Bett hereinrauschten und sie Tochter nannten, von ihrer guten alten Mutter und den Männern, die öfter zu ihnen nach Rgotina kamen und sich um sie bewarben. Aber keiner habe das Gottnahe, das sie bei einem beseelten Menschen brauche und suche. Sie sprachen alle vom Tage, von Genüssen, die keine seien, von eitlen Dingen und Wünschen, und wüßten gar nicht, wie oft Livia zu den selbstgefälligen Herren im stillen sagte: »Ihr Tiere, ihr armen, eitlen Tiere!«

Tikosch aber, wie sie von Männern sprach, die sie begehrten, fühlte ein dumpfes, banges Brennen in seinem Innern, und er begann sie, die er kaum kannte, auch schon mit allen Schmerzen der Eifersucht und Liebesangst zu verlieren. Ob sie nicht auch über ihn, der bisher gedankenlos in den Tag hineingelebt hatte, im geheimen sagen müßte: »Du Tier«? Er fragte sie mit ehrlicher Besorgnis darüber aus und tat das in so unbeholfenen Worten, daß sie ihn gut und warm ansah und antwortete:

»Nein, denn Sie sind zwar noch nicht das, was ich von einem Mann erwarte, aber auch nicht, was jene leider rettungslos schon geworden sind. Sie sind ein Kind und stehen noch am Scheidewege.«

»Dann lehren Sie mich,« sagte der junge Mensch, »denn Sie sind viel gescheiter als ich. Wenn Sie mich nur nicht verachten, dann ist schon vieles gut.«

Er griff nach ihrer Hand, sie ließ sie ihm, und als er sie bat, weiter von sich zu erzählen, tat sie es in ihrer ruhigen, ernsten Art, ohne zu wissen, wie er immer nur sie ansah und ihre große Schönheit ermaß. Auf diese Weise wußte er oft gar nicht, was sie sagte, sondern war bloß bemüht, möglichst viel von dem dunklen und tonreichen Klange ihrer Altstimme in sich zu saugen.

Als sie endlich merkte, wie dürstend er sie ansah, brach sie sogleich auf, ließ sich aber von ihm ein Stück begleiten und versprach ihm, bald wiederzukommen.