»Scheckensimon, steig wieder auf den Baum!«
»Nee, 'ck will erst nochmal 'ne Grock.«
»Woher willst denn nacher den Rum kriegen?«
»Wir fangen ins 's serbischen Transport wech.«
»Wenn du so viel säufst, Scheckensimon,« sagte eine unermeßlich sanfte Stimme, »so kommst du nicht mehr auf unsern Bergfried hinauf; aber wenn du infolge des Glückes aller Betrunkenen dennoch hinaufkämest, so schliefest du da oben ein. Geh, wir sind milde genug mit dem Wachdienst. Bei jeder anderen Partei würdest du erschossen. Um unserer Sicherheit willen, Scheckensimon!«
Tikosch hatte genug gehört und gesehen, um Vertrauen zu haben. Das waren: ein Österreicher, der Aussprache nach ein Tiroler, ein Norddeutscher und ein etwas verkommener Gebildeter, der Hochdeutsch sprach. Mit denen ließ sich paktieren.
»Kinder, der Scheckensimon gehört auf den Baum, aber an einen Strick,« sagte er gemütlich und durchbrach das Gestrüpp, indem er den drei blaublaß gewordenen Kerlen freundlich entgegentrat. Sie standen entseelt und mißfarbig wie gerupfte Hühner vor ihm. »Ist das eine saumäßige Unvorsichtigkeit!« schalt Tikosch auf sie ein. »Hat keiner von euch eine Autorität vor den andern!«
»Wollten wa uns ausbitten,« knurrte Scheckensimon, der seine Haltung bei den freundlichen Scheltworten wiedergewann. »Wir sind 'ne Republike.«
Tikosch lachte und fragte mit dem alten Zauberworte: »Kunde?«
»Kenn's, kenn,« sagten alle drei auftauend und in fragender, banger Freude! Teurer Heimatlaut, Handwerksgruß der Nichtstuer, Kennzeichen aller Freiesten der Freien, aller, die nichts und doch alles besitzen, aller Walzenbrüder und Wanderphilosophen, die zwar der Bürger wenig liebt, die aber der Heiland des Ur- und Wanderchristentums insonderheit in sein Herz geschlossen zu haben schien!