Da erschrak der junge Student sehr, denn abermals fühlte er, wie er die seltsam schöne Base gern hätte, die, wie er, Leib und Seel’ zu verlieren bereit war, um guter Kundschaft zu den Überirdischen willen. Es drückte ihm jetzt das Herz ab, wie er bedachte, daß dieses schöne Geschöpf auch verstrickt und verfallen sein könnte; — ewiglich.
Er sagte ihr also: „Tu’s nicht, Helena. Begehr’ alles andere von mir als das, sogar, daß ich dich einem Andern zuführen müßte ... was mir gewißlich vorkäme, als müßt’ ich mein Herz aus dem Leibe geben. Ich könnt’ es dir nicht abschlagen. Aber zu dem Fausto sollst du niemals gehen.“
Da sagte sie ihm: „Du willst wohl allein wissen, was kein Irdischer sonst erfährt?“
„Ja,“ erwidert er ihr, „aber nicht aus evahafter und loser Neugierd’.“
Damit machte er sie böse und sie weinte sehr, wollte sich auch von ihm auf keine Art trösten lassen, bis er ihr doch endlich zusagte, es mit dem Doktor zu versuchen.
Da war nun ein Tag des Septembers zur Zeit der „Duldt.“ Der gehabte sich so schön, daß alles Volk auf die Wiesen vor die Stadttore hinausgezogen wurde. Sehr geschwind entstanden dort auch kleine Buden und Laubhütten, wo allerlei Ergötzung getrieben wurde. Da geschah es denn, daß der Doktor Faustus mit anderen ins Grüne kam und viel zwischen den Buden auf und abging, auch einen Zauberer, der Schlangen bändigen konnte, damit verschreckte und in die Enge trieb, daß ihm die Schlangen immer ungebärdiger wurden und übermaßen zu wachsen schienen, bis zu Lindwurmgröße, sobald nur der Doktor vorüberging. Die Leute erlebten’s, daß der Zauberer dem Faust zu Füßen fiel und kläglich fragte, was er ihm denn getan hätte, weil er, sein Diener, und ein Wurm gegen ihn, solchen Unfug erleiden müßte? Da sagte ihm Faust: „Du mußt alles mit frommer Seele machen, oder mit einem ganz großen Haß. Um Geld und zeitlichen Vorteil aber sollst und darfst es du, und andere, niemals wagen!“
Da erwiderte ihm der Schlangenbeschwörer: „Ja, Herr Doktor, aber Ihr dienet doch auch Gott nicht so, wie es die Schrift und die Kirche will.“ Da sah ihn Faust so drohend an, daß der andere augenblicklich wieder bittend auf den Knien hinrutschte und sagte: „Aber dem Andern.“
Faust dachte eine Weile nach, ob er ihn jetzt strafen sollte, da kam das Enkelkind des Manuel Chrysoloras daher und war so schön, daß er ganz irre ward und seinen Ingrimm augenblicks vergaß. Er sagte aber noch folgendes zu dem Zauberer: „Du hältst mir vor, ich tue nicht, was eine Kirche vorschreibt, die sehr viel jünger und unerfahrener ist, als meine Studien. Ich könnte dir zeigen, wie man alle Wunder Christi an einem Tag wiederholt, doch ich sag dir: Wenn ich auch mehr als er vermöcht, und Herr über jede Krankheit und jeden Tod wäre, und wenn ich die ganze Erden beherrschte und hätte des Hasses nicht, so wäre ich ein armer Betrüger wie du.“
Und ließ ihn stehen und ging.