So fuhren denn alle in kostbarer Ausstaffierung gegen Braunau und erwarteten dort das kaiserliche Schiff zu rechter Stunde, denn am Abende desselbigen Tages, da der Erzbischof ankam, landete es.
Karl der Fünfte, blaß, klein, argwöhnisch und schwarz, und der römische König Ferdinand, blond, heiter, lebensfroh und offenherzig, saßen beide an einem Tische. Karl mit seinem Barett bedeckt, Ferdinand bloßen Hauptes, obwohl ihn der Kaiser wiederholt bat, sich seines Vorrechtes zu bedienen. „Mir ist halt heiß,“ sagte der natürliche Mann lachend, „und meine Ehrfurcht vor Euer Majestät bleibt, ob ich nun mein Hütel aufhab oder nit.“
„Ah,“ sagte Karl, „da ist ja der berühmte und treffliche Herr der Geister, unser Doktor Faustus!“
Und er erzählte dem Erzbischof, der die beiden Gelehrten vor den Kaiser gebracht, lebhaft und indem er mehrmals seine Hand auf den Arm des römischen Königs legte, wie um einen Bundesgenossen und Zeugen anzurufen, wie Faust vor längeren Jahren in Innsbruck dem Kaiser eine galante Ovation mit seiner Kunst gebracht hätte. Mitten im Winter wäre morgens im Schlafgemach des Kaisers, als der erwachte, ein reizvoller Lustgarten erstanden, wie er im Lande Italien nicht lenzlicher blühen hätte können! Veilchen, Narzissen und Orangen zugleich hätten geduftet und alle köstlichen Früchte des Südens wären zugleich, an beladen hängenden Ästen, gereift. Dazu war die feinste Musik, ganz leise und dezent, und immerzu jauchzten die Vöglein ihr Frühlingsglück von den Ästen. Der Kaiser verzögerte sich in seiner Verwunderung wohl über eine Stunde und sah den holden Zauber an; als er aber seinen Truchseß und andere Herrn vom Hofe heibeirief, auch Befehl gab, man sollte geschwind den römischen König holen, da fegte ein kühles Herbstwindlein durch den Saal, die Blätter gilbten, welkten, fielen; die kleinen Vögel flogen fort, das Staudenwerk zerdorrte, zerfiel in Staub, und alles war vorüber, ohne daß eine Spur im Saal verblieb.
„Mir hat der Doktor das nit vergönnt,“ brummte der römische König mit lächelndem Vorwurf.
„Weil ich für Eure königliche Majestät was anderes bewahrt hab,“ sagte Faust.
„Ei, das muß man hören,“ riefen beide hohe Herrn. „Was denn?“
„Gold,“ sagte Doktor Faust.
Hochauf lauschten die Fürsten, auch der von Salzburg, bei dem Worte.
„Gold zum Kriegführen, und dazu ein furchtbarliches Zerstörungsmittel, das alle Feinde Eurer Majestäten in Staub schmettern und zerreißen wird. Wegen letzterem wolleten die Majestäten nur den hier anwesenden berühmten Gelehrten und Alchymisten Theophrastum Paracelsum ab Hohenheim fragen.“