Nur, daß Karl noch seinen Gott hatte, — als Allerletztes.


Faust zog am Gasthof zum Stein vorüber, wo Paracelsus, durch das Lärmen angelockt, aus seinem Fenster schaute und grimmig lächelnd nickte. Der Zauberer ritt über die Salzachbrücke, immer mehr umdrängt vom Volk und kam in die Getreidegasse, wo das Tosen die Höhe erreichte. Die Studenten wollten ihn mit Gewalt auf die Hoch- und Domschule bringen und jetzt erst begann sich Faust etwas unruhig auf seinem Klepper umzusehen, wie er der gar so großen und entzückenden Liebe des ihm verhaßten Menschengeschmeißes entrinnen möchte.

Da sah er aus dem Fenster eines Hauses die Griechin, welche mit dem Namen auch den Ruhm des schönsten Weibes der alten Heidensage trug. Ehe er einen fragenden Blick hinauftun konnte, ob er sich unterwinden dürfe, dort oben bei der Dame Schutz zu suchen vor den Begeisterungsstürmen einer Rasse, an welcher alles tierisch dumm und verblendet ist außer ihrer Verlogenheit, ehe er also seine düster und trotzig gebliebenen Augen nur um ein weniges erhob, weil er fühlte, hier wurden sie schüchtern und knabenhaft, da breitete die Chrysoloras auch schon beide Arme aus und rief hinunter: „Fauste, mein Doktor, komm herauf!“

Jetzt wagten die Lärmbuben freilich nicht, dem immer rätselhafter werdenden Manne zu folgen.

Da: erst berieten sich Kaiser, König und Fürst insgeheim, in ehrender Form, mit ihm. Sodann mußte ihn der Teufel zu Wittenberg in eigener Person holen, und nun schrie das stolzeste und von allen nur aus scheuer Ferne angeglühte Mädel ihn mit ausgebreiteten Armen an: ‚Fauste, mein Doktor, komm zu mir!‘

Wenn der nicht hexen konnte — — —?

Droben aber ging ihm das Mädchen, welches jetzt schon verschüchtert war, entgegen, faßte seine beiden Hände und sagte: „Ich wußte ja, daß Ihr unmöglich zu sterben vermöchtet, ehe —“

„Ehe?“ sagte Faust nicht ohne leichten Schreck.