„Du scheinst deiner eigenen Schönheit satt zu sein.“

„Nein, ich begehre von ihm die endlose und überirdische Schönheit der Seele dazu.“

Das war dem sonst verschwiegenen Jungen zuviel. Nun mußte sein eifersüchtiges und geängstetes Herz emporquillen. Er schämte sich, daß er jetzt zum Verräter wurde, und in seiner Wut über die eigene Scham fand er erst die reißend scharfen Worte zu dem, was jetzt unaufgehalten losbrach.

„Die endlose und überirdische Schönheit! Bist du denn so ahnungslos? Und hätte der verwichene Paracelsus recht, daß es keinen andern Teufel gäbe, als den in der eigenen Brust, dann wäre der Doktor der ungeheuerlichste von allen! Die ewige Schönheit: weißt du, wie er sie sieht? In der Absage an Gott, in der Vernichtung seiner selber und aller, in der Zerstörung des Hauses Gottes, dieser Erde.“

„Wie schön; und wie viel zu groß, um je geschehen zu können,“ lächelte das Mädchen.

„Viel zu groß? So sollst du wissen, daß er ganz gut weiß und es auch vermag, gegen Gott aufzustehen und die Erde in Flammen aufgehen zu machen! Weißt du, wozu er mich anwerben hat wollen? Ich soll ihm helfen, das grausame Mittel, zu dem ihm der Paracelsus Lehrjunge hat sein müssen, in eine entsetzliche Kluft im Tiroler Lande zu gießen, um die allein der König und der Erzbischof wissen und die bis zum Abgrund der Höllen geht. Dort soll sich’s entzünden und so Gottes grüne Erden auseinanderreißen und im überquellenden Feuer und Wasser verschwemmen!“

Das Mädchen sah den Vetter an, wie zu Wachs umgebildet.

„Was für wirres Traumzeug ist das?“ fragte sie.

Er wirbelte noch einmal los und beschwor und bewies es ihr mit vielen, jugendhaft heißen Worten.

Helena Chrysoloras hatte die Augen zugetan.