Und aber, wer kann das erhabene Aufleuchten einer Menschenseele wiedergeben, die Leid und Todesangst überwunden hat und nun sakramentsbereit ist für Vernichtung oder Gott!

Es war da ein armer, dummer, kleiner und schwermütiger Student; verliebt bis zum Blutvergießen, verschwärmt bis ins Grenzenlose und Tödliche. Ein junger, dummer Wurm ohne Reife, ohne Erlebnisse und ohne lang dauernde Bereitungen oder Weihen. Und der hat das alles in einer einzigen Nacht erlebt.

Wer ist, der es nicht glaubte? Und wer, der es glaubt, zweifelte noch an Gott? Kann ein armes, junges, lebensgieriges Geschöpf solche Zuckungen durchleben und sich dann todbereit in kristallschöner Ordnung dem Morgen entgegenbieten?

Ist das möglich, wenn kein Ordner da wäre?

Bei solchem Leid? — Eben durch solches Leid.

Jener unverstehbare Kreisezieher kann noch den durch Töne rhythmisch gewordenen Sand auf der Glasplatte und die Figuren der gefrornen Fensterscheibe ohne Leid ordnen, die Schönheit der Perle schon nicht mehr.

Nun also. Es ging der Student anderen Morgens in einer feinen und lieben Stille wie ein gezähmtes, kleines Tier zum Faust und sagte: „Meister, jetzt komm’ ich zum dritten Male und ich bin bereit, auch auf meiner Seele Tod hin, mit Euch zu gehen bis an’s Ende der Versuchung und will mit Euch halten, diese Erden entzweizureißen, ohne dabei an Angst oder Eitelkeit zu denken. Sondern ich will alles Gott überlassen voll Vertrauen. Gibt er’s zu, dann war seiner Geschöpfe Tod auch sein Wille. Und gibt er’s nicht zu, dann verzeiht er mir. Denn er hat mein Leid gesehen.“

„Du liebst die Helena und sie hat dich verworfen,“ sagte Faust. „Ich steh’ im Abreisen und drunten warten meine zwei Maultiere. Bleib hier in Frieden. Der Frauen Herz ist wandelbar gleich dem unsern. Unwandelbar sind nur die heillos Dummen. Bleib’ und warte ab, bis dein Frühling bei ihr blüht. Erde und Jahreszeiten drehen sich. Lebwohl.“