„Warum, warum?“
„Wißt ihr nicht die Geschicht’ aus Schwäbischhall? Wo er ganz unerkannt und verhohlen gelebt, weil ihm die Wittenberger Pfaffen an Leib und Leben gewollt? Kein Mensch hätt’s erraten sollen, daß der beschriene Magus im Städtel wär! Wie aber die dortigen Salzknappen, ein hohnvoll und übermütig Volk, das keine Seel in Ruh ihrer Weg ziehen läßt, ihm wegen seiner kleinen und höckrigen Gestalt nachgespottet haben, „Äsop, Äsop,“ da hat er ihnen aus dem Flußwasser einen Feuerteufel herauszitieret; — auf grauslichste Weis’ hat er’s getan! Hat in seiner Wut die Hosen heruntergerissen — —“
„Still,“ rief ein Anderer. Aber es war diesmal nur Theophrast Paracelsus, der an der Hochschule vorüber nach der Residenz ging, wo er zu einer alchymistischen Sitzung befohlen war. Die Studenten verhielten sich sehr, solange der kleine, blasse Mann in Hörweite war. Er warf aus seinen sonst unsagbar traurigen und vorwurfsvollen Augen nur einen mürrischen Blick nach der Seite hin, wo das Rudel aufgeregter junger Leute zusammenstand; den Kopf hielt er aber geradaus und ziemlich geneigt. Aber mit den Augen sah er nach der Seite hin; — mahnend? Oder prüfend? Ein Blick, ahnungsvoll klug wie der eines Kindes, oder eines Tieres, und ebenso geängstet, ging allen durchs Innerste.
Als Paracelsus vorüber war, ging das Tuscheln von neuem an:
„Der Doktor Faustus hat beinah dieselben Augen: Ebenso traurig, aber dazu eher grimmig und bedrohlich.“
„Wer ihn reizt, dem ergehts auch schlecht,“ sagte der kleine Student von ehedem wieder.
„Was haben die Salzsieder in Hall denn gesagt?“
„‚Wer ist das elend klein huckrig Männdl?‘ haben sie bloß gefragt.“
„Hat ihn wer hier gesehen? Ist er höckerig?“