„Fräulein,“ sagte Faust in erbebendem Staunen, „was fällt Euch ein, zu solcher Stunde mein Zimmer aufzusuchen!“
Helena sah ihn bloß stumm und bittend und zärtlich an. Sie fürchtete sich und hatte zugleich ein so herzzerreißendes Mitleid mit dem, der nichts anderes begehrte als den großen Tod, daß sie kein Wort hervorbrachte. Kaum zu bewegen vermochte sie sich.
Faust stand auf. „Ich weiß, was Ihr sagen wollt: Der Faustus ist ein alter Mann und an ihm werden Jugend und Schönheit unbehelligt vorbeigehen, schienen sie ihm gleich ausgeliefert!“
„Das ist es nicht,“ sagte die Chrysoloras zitternd. „Es ist das Gegenteil. Ich bin gekommen, um hier alles von mir abzutun, was man uns Mädchen gelehrt hat an Scheu. Und, — und ich bin, — ich komme Euch fragen, ob Ihr mich haben mögt und nehmen als Entgelt für das Entsetzliche, was Ihr vorhabt.“
Der Doktor blieb erstarrend stehen: „Mädel, du weißt?“
„Alles,“ sagte sie.
„Wer sonst noch weiß das?“ schrie der Faustus. Alles andere empfand er jetzt nicht, als das eine, daß sein Plan verraten worden wäre.
„Niemand als der Sympertus und der dient Euch treulich, seit ich ihm gesagt, daß ich Euch liebte. Eben deshalb will er Euch, in seiner Verzweiflung, von der Welt helfen; sich will er von seiner Liebe helfen und mir von Euch.“
„Ihr wisset das also allein?“ fragte Faust staunend.