„Er und ich allein, seit Paracelsus zu Tode geworfen worden ist.“
„Auch davon wißt Ihr?“
„Wer Krieg führt gegen die Weltkugel Gottes, der tritt auch über ein einzelnes Leben hinweg,“ sagte sie mit zuckenden Lippen.
„Und Euch graut nicht vor mir? Haßt Ihr mich nicht und fürchtet mich nicht als den leiblichen Schwager des Satans, der ich ja bin?“
„Das seid Ihr nicht,“ sagte das Mädchen.
„Ja, doch! Denn der böse Feind, das ist nicht der Tod. Das ist die Häßlichkeit: die Häßlichkeit des Leibes und der Seele! Seine Schwester ist der ewige Durst und die ewige Begierde und die hab’ ich erheiratet. Da wurde unser Kind daraus: der Haß und die Vernichtung. Weil es mir nie im Leben vergönnt war, Schönheit und Liebe zu finden. Immer hab’ ich nur Phantome umarmt, auch wenn sie lebendig und schön ausgesehen haben. Da ich sie aufbrach, da waren sie hohl und leer wie wurmstichige Nüsse! Alle, alle!“
„Vielleicht, daß ich es nicht bin,“ sagte das Mädchen angstvoll. Das bitterliche Weinen kam sie an.
Da getröstete sie der Mann, dessen Leben eine einzige Paternosterkette erfüllter Begierden und ekelvoller Ernüchterungen gewesen war, zärtlich wie ein Vater und faßte sie unter dem Gesicht, so daß er fühlte, wie die Mädchentränen auf seine Hände prallten.
„Helena,“ sagte er. „Geh dahin und laß mich mit meinem bösen Herzen und meinem vielen Elend allein. Ich will das Unterfangen noch einmal vor mein Nachsinnen stellen, um deinetwillen. Es ist ja die Wahrscheinlichkeit, daß es gar nicht ausschlagen und gelingen wird. Um deines Daseins willen wollt ich wohl noch zuwarten; aber nicht um solches Sklavengeschenk wie das deines Leibes, das dir die Angst abgefoltert hat. Denn du mußt wissen, der ungestüme und hitzige Mann geht zu allererst immer an die Zerreißung der Unschuld und versucht das Weib auch in der Seele zur Genossin seiner Lüste zu machen. So bin ich immer gewesen und hab’ das Fleisch genommen und hernach die Seele weggeworfen, die mir immer zu klein und elendig erschienen ist. Dasselbe würde ich auch dir antun, und das darf nicht sein: Du sollst keines Schwarzkünstlers Buhlerin werden.“