„Ein einzigmal war das Paradies. Da waren die unbewußten Tiere, die jetzt mit Fleiß ausgerottet werden, die wimmelnde Menge. Und über allen stand allein aufgerichtet, das Haupt zum Himmel erhoben und über sie wegschauend, der eine Mensch. Der eine! So wie ich mich bedünk’, der eine und einzige zu sein. War der Adam der erste, ich, der Faustus, will der letzte sein. Geh’ es, wie es muß!“

Er atmete schwer in seinem Ingrimm. Da fiel ihm ein, wie ja gerade Gott zu jenem hochaufgerichteten Einen und Einsamen die Eva hingestellt. Ebenso, wie jetzt zu ihm? Da er doch schon ein langes Leben, allein und trotzig abgeschieden von dem andern Geschmeiß, verharrt hätte. Längst sah er die Menschen nicht mehr als Brüder und seinesgleichen an.

Aber er schüttelte alle lieben und weichen Gedanken von sich. — Brüder?

Sogar für die Gekrönten hatte er nur Kurzweil und Possenspiel losgelassen; denn sie, weniger noch als andere waren einer ernsten Belehrung wert. So hatte er alle und alles verachtet und sogar von dem Tiefsten und Schauendsten neben ihm, dem großen Paracelsus, hatte er einmal gesagt:

„Der ist nur ein Instrument der Menschheit. Ich bin der Mensch selber.“

Und damit wollte er der Letzte sein.

Vergrämt und verekelt ging der Doktor seine einsamen Wege durch die holde Landschaft weiter und merkte höhnisch, wie auf dem sonnigen Hang gegen Schloß Ambras zu, den er jetzt wandelte, allerlei Blüten sich hervorwagten. „Das ist Er; ja, das ist Er! Wo es nur angeht, drängelt und ringelt er sich wichtig herfür! Und wär’s im Dezember und müßt da alles gleich wieder erfrieren; die Dummheit muß gewagt und gemacht sein!“

Er blieb stehen. „Bei jedem Menschen noch, den ich gesehen und erleben mußte, hab’ ich mir die Frage gestellt: ‚Ist er denn überhaupt wert, daß er lebt?‘ War er jung, so lag das Ja, dann und wann, aber gar selten, näher; wegen der Hoffnung, daß noch was Göttliches draus ersprieße. Aber was haben die dann alle aus sich gemacht!“