„Hat geschwiegen.“

Von da ab hatte Bertel Stainer nur mehr Klatsch, Wundergeschichten, Derbheiten und Aberglauben über den Faust gehört und war endlich weggerannt, um nur wieder zu seinem machtvoll aufbegehrenden Herzen zurückzukommen.

Jetzt war er allein mit diesem klammgepreßten Herzen, das ihn zwang, immerzu nach Atem zu ringen. Er stand, holte Luft, aber es war zu wenig. Aufstöhnend wankte er weiter, gegen die Bürgerwehr zu. Er sah die hohen Schneeberge jammervoll an, dachte an die dünne und reine Luft dort oben und daß er dort leichter atmen würde können und faßte wieder nach seinen tobenden Herzen, wie ein Erstickender.

„Der allein auf Erden ist es, dem ich folgen muß, wohin er mich auch führen mag. Sei es in den Himmel oder in die Hölle!“

Er blieb stehen und rang nach Luft. „Mein Vater ist verketzert worden. Mein Bruder glaubt an nichts auf dieser Erden, geht ins Italienische und sagt: ‚Musik ist noch das best’ und einzig Ding; — das macht fliegen! Nur der Musikant kann sagen, wes Gemütes Gott und der Teufel sein mögen.‘“

Etwas ruhiger und nachdenklicher setzte Stainer seinen Weg fort: „Und ich? Bei den Rabbis hab’ ich Christus und den Glauben an irgend eine Jungfrau verloren, mag sie heilig oder irdisch sein. Unsere Professores, von denen ich mir aller Geheimnis Essenz erwartet hab’, die sind arme Esel. Sogar ich dummer Kerl ahn’ doch, was die nimmer wissen können! — Der Paracelsus? Er steckt zuviel in der Chemie, als daß man von ihm erfahren könnt, was dies wär, dies erschröcklich, grausam und süß Geheimnis Leben!

Woher das kommen sein mag und warum wir nie davon genug haben mögen? Warum wir’s ewig genießen wollen, so viel Martern es hat? Und warum wir wieder wegmüssen, nachdem wir graue Bärt’ und kahle Köpf’ und faltige Häls’ erleiden mußten? Ein Schand und Spott, wenn das, von Gottes Ebenbild, wahr wär’! Fauste! Fauste!“ — — Und er wiederholte sinnend: „Alls, was man entdeckt, macht nur trauriger. Ein einzigs Trachten bleibt schön; der großen Kraft nachgehen!“

Der kränkelnde Student hob beide Arme: „Da allein glüht die große Schatzkohlen! Da allein glost das Feuer, an dem ich mich wärmen kunnt!“

Er stöhnte noch einmal auf, als wäre er auf den Tod verwundet. Mit einem namenlos hilfsbedürftigen Blick sah er die Berge an, den hellen Himmel, über den leichtsinnig die kleinen Wolken hinzierten; nirgend war Antwort! — — „Ich geh’ zum Fausto.“