In der Bibliothek des Fürstbischofs hatte Faust, wie überall, alle Bücher durchwühlt. Je älter das Geschrift war, desto gieriger suchte er in ihm und immer wieder warf er weg, was ihm unter den Händen einen Augenblick gezuckt hatte. „Nichts. Nichts.“ Faustens Augen brannten schwermütig und drohend. „Steh’ denn am Ende aller Weisheit dieser Erden ich?! Das wär doch, um sie ins Feuer zu schmeißen, wie Mist!“
Einen Augenblick hielt er aber inne, — als er in den Visionen des Ezechiel blätterte. Da war eine Randnote in veralteter Schrift beigesetzt, die sagte: „Es gibt ein ding, geschaffen von gotte, ist die Ursach alls Wunderbarn, so im Himmel oder auf Erden sein mag, als da wär Tier, Stein und Kraut. Und ist selbigs kein ander ding, als unser seel auch. Du findsts allerort, wenige kennens und keiner gibt ihm den rechten namen. Ist auch vermummt unter zallos rätsel und gestaltung. Aber ohn das künnen weder alchemie noch magia zu einem rat und ziel kummen.“
Faust nickte wissend. Dann las er im Ezechiel die Stelle, die zu jener verschollenen Anmerkung geführt hatte:
„Dieselbige Substanz, welliche der Grund aller Wurzel ist, gehört zum Ort, den man nennet Schamaim (heißet die Himmel). Ist ein Mysterium, all jenen kundt, die von diesem himmlischen Stoffe wissen und von dem jegliche Gattung alle Kraft und Frischheit ihres Wesens erhält. Von dorther auch kommt die Influenz, welche reicht bis auf den Ort, welcher genennet wird Sheakin, oder die Aetherregion.“
„Das ist es; ja, das ist es,“ sagte Faust. „Und weiter kam bisher niemand. Nützen kann mans. Anfassen und ergründen nicht.“
Er warf den Band zu dem Übrigen und griff nach einer Pergamentrolle mit bunten Initialen. „Lieder?“ sagte er bitter lächelnd. Aber er warf aus Langeweile, oder aus Zeitvertreib, einen Blick hinein. Und dann las er:
„owê, war sint verswunden
alliu mîniu jâr!
ist mir mîn Leben getroumet,
oder ist ez wâr?“