Das bejammernswerte Geschöpf, das jetzt nicht einmal mehr schön zu nennen war, so entstellt war es vor Schwäche, Neugier und Entsetzen, brach in ein irrsinniges, verlegenes Kichern aus.
„Was hast du?“ wiederholte er. Da kicherte sie noch gepreßter und lachte dann krämpfig und schrill auf.
„Gesteh’s nur ruhig. Knie’ daran hin und schau dich satt; es soll dir keine Schande sein,“ tröstete er. Da kniete sie an den Rand des schwarzen Fleckes, und nun schien ihr wohler zu werden. Der Schwindel ließ nach, der Angstschweiß verflog langsam und das Grauen verwandelte sich in eine Art Jammer; dann in Mitleid, später in Teilnahme, zuletzt in Entzücken.
„Nun, was siehst du?“ fragte Faust, mit nachschleichenden Augen.
„Kinder, holde Kinder, wie Engelsputten,“ rief sie mit mütterlich überquellender Liebe. Beinahe jauchzte das Mädchen.
Sie vergaß des Schwindels vor der schwarzen Brunnentiefe, die aus unermeßlichen Abgründen bis zu ihr heranreichte und stemmte die lieben Arme zu beiden Seiten auf, während eine unsagbare Verzückung sie holdseliger erscheinen ließ, als jemals. Ihre Farbe war zurückgekommen und ihre Wangen schön und erglühend; ihre Augen schwammen in unermeßlicher Zärtlichkeit und Sehnsucht. „Ah,“ rief sie, als zerpreßte es ihr das Herz und die weiße Kehle. „Ah!“
„Red’ dir’s von der Seele,“ riet Faust mit erbebender Stimme.
Da fuhr sie zögernd, dann aber immer reißender, fort in ihren Gesichten. „Du, du, Zunächstes, du Kleines, Kleines!“
Sie sah sich nach dem Manne um, der abseits stand, das nachdenkliche Antlitz gesenkt und die Hand in den Bart und um das Kinn geklammert. „Siehst du nicht her? Jammert es dich nicht? Es bewegt die reizenden, die vollen Lippen, und die hat es von dir. Und es hat den schauenden Blick der Augen von dir, das geht mir bis ins tiefste! Du, Johannes! Hörst du, es bewegt die Lippen, aber es möchte gar nicht saugen. Reden möcht es, denk dir Johannes!“ Ihre Stimme verschlug sich beinahe vor Mitleid und Liebe und bekam einen zauberisch süßen, flehenden Ton: „Sie alle möchten schon reden, denk dir, du, du, hilf zu!“