Wie hatte der Faust gehöhnt? ‚Die Menschen sind die immerwährenden Leichenmaden am ewig faulenden und ewiglich sterbenden Leibe Gottes!‘

Da ging ein Riß durch die ganze Seele des schwermütigen Knaben. Ein Riß, den das Wesen nicht mehr aushielt. Die zerstörte Schönheit der hinreißend Geliebten, das Madengewimmel der Menschlein ringsum, der Gestank; — der stumpfe Höllenmeister da drüben! Es war so gräßlich, daß das erwachende junge Blut augenblicklich überkochte und ins Rasen geriet.

Er, der Student Sympert Stainer, mußte zerstören, was zerstört sein wollte. Die Nähe? Oder die Ferne mit? Ob die ganze Erde, ob nur sich und diese jammervolle Umgebung, gleichviel, es war nicht mehr zu ertragen. Und, beinahe im Augenblick, wie dieser schmerzhafte Riß durch sein ganzes Wesen zerrte, sprang er zum großen und wohlverwahrten Flaschenzuge hin, dessen Geheimnis nur ihm und Faust bekannt war, löste ihn und zog mit wahnwitzverzerrtem Angesichte, das vor Anstrengung ins Blaurote quoll, an dem Todestau.

Die Chrysoloras faltete die Hände, als betete sie. Wußte sie, was das bedeute?

Es war, eine ungeheuerlich scheinende Weile, ganz stille und man hörte kaum aus der Tiefe ein Gurgeln und Rieseln und dann ein stärkeres Rauschen; zuletzt ein Kollern, und dann war Ruhe.

Fahl und entseelt wie ein Betrogener schaute Stainer um sich. Sollte alles fehlgerechnet gewesen sein und war auch hier die ewige Unzulänglichkeit am Werke, die, nach Fausti Hohn, ganz allein diese Erde am Leben erhielt?

Da aber schoß es aus der Tiefe brüllend und grauenvoll empor, wie ein vertausendfachter Geyser Islands. Nur nicht kochendes Wasser. Aber Feuer, Steine, grüne Stickluft und ammonisches Gas durcheinander, das sich wieder zu Feuer und Krachen vereinte. Eine Höllengarbe, eine Protuberanz, unmäßig und scheußlich in die Luft fahrend. Fast senkrecht hinauf gegen die Sonne, als hätte Satan selber eine Faust gegen Gott ausgereckt, so töricht und jämmerlich und frevelhaft, wie Faust die seine.

Was in der Nähe war, das zerriß in Winzigkeiten und flog mit empor.

Der Schlund spie alles, was man ihm gegeben, wie aus einem ungeheuren Blaserohr, in einem engen Verderbensstrahle in die Höhe. Bloß oben, in den Wolkenhöhen trieb das aufgeschossene Ungeheuer sich auseinander, wie ein riesenhafter Giftschwamm, dessen Stiel kaum mehr sichtbar war, dessen Hut dort oben aber strotzte, sich zerballte und faul auseinanderfiel. Auf die steinige Wüste dieser Höhen sanken Rauch und Staub und Stickluft träge hernieder; ihnen voran prasselten ungezählte Steinmengen, vor denen zerstob, was bisher an aufschreiendem Menschenleben noch im Runde festgebannt war.

Und zum Prasseln der herniederfallenden Steine rollte die Erde ihren Antiphon dazu. Das schwarze Loch, das zuerst weiter auseinanderzuklaffen schien, schloß sich unter den sich neigenden Felsen. Mit Donnern rollten die endlosen Gesteinschütten hinunter und versiegelten es auf ewig.