Es war der Kerl des Geldmannes.
Langsam griff er durch eine der zerbrochenen Butzenscheiben, die mit Pergament verklebt war, hindurch und die krallige Hand öffnete den Riegel des Fensters innen; auf taten sich die Flügel. Dann sprang das Geschöpf des Nichts mit einem hunnischen Satze ins Zimmer herein.
„Was willst du?“ wollte Faust sagen; aber es erging ihm wie im Traum, wenn uns die Trud Herz und Stimme abdrückt. Bloß seine Lippen bewegten sich, farblos und krampfig.
Der Kerl stand auf seinen krummen Beinen vorsichtig da und sah sich ringsumher in der Stube um, ob irgend Fallen da sein könnten oder gar Hilfe für den Doktor. Aber da war nichts als das niederbrennende Kaminfeuer; keine Retorte daran, die platzen hätte können und kein ihm unbekannter Apparat. Ein paar Waffen hingen an den Wänden, die sah die Kotgeburt nur mit Grinsen an. Das Greislein da konnte sich ihrer gegen ihn ja nicht bedienen, der im Gebrauche der Waffen flink und blutdürstig wie ein Wiesel war.
Er kam, immer noch etwas behutsam und abwartend, an Faust heran, weil ihm dessen Gebanntsein nicht ganz geheuer vorkam. Vielleicht hatte der endlich festgelegte Fuchs doch noch im Geheimsten irgend eine Finte, die ihm, dem Abrechner noch unbekannt war. Aber er sah, wie das Antlitz des Doktors immer grauer wurde, wie weiße Ringe des Entsetzens sich um dessen Augen bildeten und wie das Weiße der Augen selber immer unnatürlicher groß wurde.
Das kannte er und nickte grausam und sachverständig. In den Schlachten, wenn die Kriegsleute der Hundsfott überkam, dann sahen sie so aus. Das Weiße in den Augen wurde entsetzlich groß bei denen, die den Tod erkannten und vorkosteten. Er hatte ihn sicher und fest, den Doktor.
Kein Wort war geredet worden.
Erwägend und abschätzend kam der krummbeinige Kerl an sein Opfer heran und immer noch konnte sich Faust nicht rühren. Er erkannte in dem nächtlich Gekommenen Den, den er von je vernichten gewollt. Den Häßlichen an Leib und Seele; den Ausgeschämten, den Mord- und Lebensgierigen, den, der nie verdiente, auch nur erfunden und gedacht zu werden und der durch sein Dasein der fürchterlichste Vorwurf war, den man Gott antun konnte.
Das, das war „der Mensch“, wie er ihn immer gesehen hatte.