Wie er ihn immer wegtilgen gewollt.
Der Mensch, den Faustus im tiefsten haßte. Sauber herausmodelliert mit allen Gaben, die bewußte, rettungslose Bestie, die Schandkrone der Schöpfung! Darum die Starrheit Faustens vor dem, was ihm da entgegenlauerte.
Noch einmal warf der Kerl einen kurzen Blick um sich, maß die Entfernung, seine Kräfte und Fausti Gestalt, und fuhr ihm dann an die Kehle.
Als die hornigen Hände sich um seinen Hals würgten, da erst konnte Faust ringen, ankämpfen und schreien. Er wußte, heute war die Nacht nicht hilfelos! Heute warteten die Bürger auf den Neujahrschoral, den die Trompeten, Zinken und Waldhörner vom Turme bliesen. Heute war das Städtlein Staufen wach: „Hilfe, Hilfe, ihr guten Leut!“
Der Kerl, der ihm am Halse saß, ärgerte sich bis zur Gelbwut. Das Doktornichts wehrte sich jetzt? Es zeigte Kräfte, körperliches Strampeln, während es sein lebelang nur immer mit dem sogenannten Geist gefackelt hatte? Ei, der wilde Studentenonkel versuchte diesmal nicht zu gaukeln, sondern krümmte und wand sich wie ein ganz rechtschaffener Wurm! Immer wieder entkam der runzlig werdende Hals aus den würgenden Klauen. Immer wieder schrie Faust mit halber, ja zuweilen sogar mit ganzer Stimme um Hilfe? Seht an, seht an, man muß doch fester zufassen. Daß das vermaledeite Fenster auch offenstand!
Im Hin- und Herpoltern stürzten Bücher, Stühle, Gestelle mit Phiolen und Gläsern durch- und übereinander. Es wurde ein Höllenspektakel, der geschwind ein Ende haben mußte. So warf der Kerl den Doktor darnieder, preßte ihm seine festen, durch tolles Reiten ausgedrehten Knie auf Brust und Hals und würgte nun aus wilden Lüsten darauflos. Jetzt zeterte das Doktorlein nimmer.
Der Kerl hätte schon gerne losgelassen; aber aus Pflichtgefühl und Sicherheit würgte er immer noch weiter, auch als er wissen konnte, es müßte längst zuende sein. Dabei horchte er immerzu nach dem Fenster, ob man käme oder ob man gar sein Pferd entdeckt hätte, das in einem Weingartwächterhäuslein versteckt war.
Aber die Nacht war so stille, wie der Faustus selber.
Da stand der Gesell des reichen Herrn grinsend auf, sah noch einmal zum Fenster hinaus, nickte dem starren Menschenbündel am Boden zu und zog ein schweres, kupfernes Pulverhorn heraus, an dem vorbereitet eine kurze Zündschnur hing. Das band er dem Regungslosen an den Hals, holte sich aus dem Kamin einen Brand und zündete an. Dann sprang er katzengeschwind zum Fenster hinaus und schloß es, so gut es gehen wollte.