Am nächsten Tage haßte er es. Es sah aus, als ob man dieses Lied auf ihn gedichtet hätte, und man begann es schon da und dort auf der Gasse zu trällern.
Clarisses Vater hatte sich am vorigen Abend, nach einer energischen Reklamation jener alten Stiftsdame, entschlossen, Mignard, Cagliostro, und all die übrigen Gäste dieses Abends zu bitten, in vierzehn Tagen wiederzukommen, um zu erfahren, ob der Liebestrank des Meisters der Geheimnisse inzwischen gewirkt haben könnte. Vierzehn Tage, bis er sie wiedersähe!
„Es ist ein hartes Ding,“ sagte er sich, „aber mein Vater darf nicht der Besiegte dieses Charlatans werden. Bin ich denn so schwach?“
Und er war stark, wehrte sich und dachte infolge dieses Kampfes in einemfort an die niedliche Clarisse.
Sie aber war empört, daß die Akademie solch einen ahnungslosen, rein törichten jungen Menschen als Werkzeug ihres Hasses gegen Cagliostro mißbrauchte. Ihr Vater war mit im Spiele. Sie hatte Angst vor seiner Ironie, aber sie sagte sich, daß es ein Meisterstreich des kleinen Gottes wäre, wenn eben diese kalte Ironie ein wenig bestraft würde. Einem Edelmanne wollte er sie vermählen, einem Edelmanne! Nachdem Herr Rousseau und Herr Voltaire längst so niedliche Dinge über die Vorzüglichkeit und den Rang des Herzens und des Geistes geschrieben hatten, welche die einzige Ungleichheit auf Erden ausmachten? O!
Ihr ganzes kleines Wesen hatte sich von jeher nur im Widerspruch erfreut, denn sie war stets unmäßig verzogen worden. Übrigens aber meinte sie, Olivier müsse gedemütigt werden. Sie glaubte zwar noch, daß sie ihn nicht liebe, aber eine bedenkliche Angst vor der kalten Tücke des Cagliostro saß in ihr. Der war so rätselhaft. Und die Akademie hatte so viele Regeln, das Leben aber war so regellos. Wenn nun der grauenhafte Mensch mit seinem Trank Recht behielte? Sie prüfte sich und erschrak, wie viel sie sich schon an jenem ersten Abend in Gedanken mit Mignard beschäftigt hatte, und wie viel nachsinnende Stunden inzwischen dazugewachsen waren, — alle voll von Olivier Mignard.
Es war schauderhaft; schauderhaft, aber süß. Denn wenn es bei ihr wirkte, dann saß es wohl auch bei dem jungen Marineleutnant fest. Wo der nur blieb?
Der? Der wehrte sich zehn Tage. Am Vorabend jenes Tages, der Cagliostros Gewalt oder Beschämung offenkundig machen sollte, lief er ihr in einem Gäßchen in den Weg.
„Komtesse, seit vier Tagen warte ich hier, wo Sie sonst täglich durchkommen, auf Sie ....“
Sie erkannte den ehedem tiefbraunen Jungen gar nicht gleich. Er war wirklich blaß.