„Warum nicht?“

„Unmöglich,“ sagte Cagliostro kalt. „Eine Barrées. Es ist zwar alter reicher Adel und bei Hofe von höchster Geltung, aber wie wir heute dastehen, kann sich doch der Name Cagliostro nicht an eine Barrées ketten. Ja, wenn es eine Rohan, eine Condé, oder eine Savoyen-Carignan wäre! Laß sehen, es klopft.“

Cagliostro erhielt recht unerwarteten Besuch. Es war die Wache, die ihn in die Bastille führen sollte. Der Offizier zeigte ihm achselzuckend den lettre de cachet. Nun wäre es ihm sehr erwünscht gewesen, wenn sein Neffe die Barrées mit ihrem Einfluß bekommen hätte können. Denn sein Weg ging jählings bergab. Die Halsbandgeschichte war ruchbar geworden, und man suchte die Diamanten. Freilich, Cagliostro hatte dafür gesorgt, daß mehrere seiner Adepten Eide schworen, sie seien in einer Säurelösung verdorben, und Fortunat, der frei geblieben war und die Gerichtsbeamten beim Versiegeln der Gemächer seines Oheims führen mußte, brach im Laboratorium des Schwindlers beim Anblick einer fluoreszierenden Essenz in ein krokodilfalsches Gewimmer aus. „O, meine Herren,“ schrie er, „welche Werte zerstören Sie hier! Diese Essenz ist Diamantlösung und soll kristallisieren; mein Oheim verbrachte sieben Stunden in jeder Nacht damit, um sie magnetisch zu beeinflussen, und nun kommen Sie, verhindern sein Werk und stören den Kristallisationsakt! Die Tinktur wird in zwei Tagen wertlos sein und die darin gelösten Brillanten werden verrauchen, ich schwöre es Ihnen beim Tempel der Rosenkreuzer!“

Die erschrockenen Beamten nahmen ein Protokoll mit ihm auf. Gerade jene Brillanten waren es ja, die man suchte! Bis nun aber das Stück den umständlichen Instanzenweg zum Könige durchgemacht hatte und Cagliostro freigelassen wurde, um den großen Sammeldiamanten aus der Lösung herauszukristallisieren, war es zu spät geworden!

Die Tinktur erwies sich wirklich als wertlos; sogar die Akademie mußte es zugestehen. Herr Buffon, Herr Lavoisier selber zuckten die Achseln bei der Analyse; alles war verloren.

Warum Cagliostro so jählings verhaftet worden war?

Der junge Mignard hatte seinen Vater gebeten, für ihn um die Hand der kleinen Barrées anzuhalten. Da brachte Mignard alle Kräfte dieser Erde, als da waren zwei Hofdamen, einen Erzbischof und einen jüdischen Generalpächter, gegen Cagliostro in die Schlacht. Seinem Sohne drohte er mit Enterbung.

Und die junge Clarisse war bei ihrem Vater gewesen: „Der junge Mignard liebt mich.“

„Und du, du liebst ihn?“ fuhr der Graf empor.

„Seine Demut rührt mich tief, lieber Vater, er ist sehr schmerzlich für seinen Mangel an galanter Rücksicht bestraft worden, und er fürchtet, daß eine Barrées niemals an einen Bürgerlichen weggegeben werden könnte.“