„Nein,“ lachte der Graf nervös, „niemals!“

„Niemals?“ horchte sein verzogenes Töchterchen empor. Durch ihr Herz fuhr ein Stich von Schreck und Trotz. „Und wenn ich ihn liebte!“

„Wenn du ihn liebst, mein Kind, dann werden wir in der Wahl deines Gatten rücksichtsvoll sein,“ sagte der alte Herr zartfühlend.

„Ah, wieso? Und wer sollte mir, mir einen anderen Gatten diktieren. Sie am Ende? Und welchen Gatten?“

„Vielleicht den Marquis von Chateauvert; hm? Er ist neunundsechzig Jahre alt, reich, mächtig und dabei freidenkend, zart und rücksichtsvoll.“

„Ach so,“ sagte das junge Mädchen, und wurde tief dunkelrot. Dann faßte sie sich. „Das ist alte Mode, teuerster Herr Papa,“ sagte sie. „Das galt zu einer Zeit, wo man die herrlichen Gefühle der Natürlichkeit und der Herren Rousseau und Diderot noch nicht kannte. Ja, Herr Papa,“ rief sie mit edelglühenden Wangen aus, „die Welt ist anderen Sinnes geworden und ich sage Ihnen, sie verachtet jene Galanterien einer gänzlich abgetanen Zeit. Man heiratet wieder, Herr Papa!“

„Aber Kind, die Logik! Handelt es sich um Liebe oder Matrimonium? Die Logik!“

„Man kennt auch keine Logik mehr,“ sagte Clarisse kühn. „Sie ist eine Spielerei alter Leute. Man folgt den Instinkten der redlichen Natur, Herr Papa — — —“

„Clarisse,“ sagte der alte Edelmann. „In meinen Fingern zuckt es. Preise dein Glück, daß dein alter Vater den Instinkten der redlichen Natur diesmal nicht folgt, sondern begib dich auf dein Zimmer, das du in drei Tagen nicht verlassen wirst.“

So hatte denn eine verbotene Liebe bei all den günstigen Vorbedingungen noch drei Tage Gelegenheit zu tiefer Wühlerei im Herzen eines eigensinnigen Mädchens.