Es kommt gegen das Ende des Allegro eine Stelle ganz unvermittelt, lieblicher als aller bisheriger Fluß süßer Melodie, ganz wider Schule und Hergang, als dächte plötzlich einer der Spieler an ein leises Zofenhändchen, das ihm hinterrücks neckisch zärtelnd über die Wange streichelte. Als diese Stelle kam, hörte Herr Primus hinter sich ein wohlgefällig leises: Ah!

Er drehte sich um — Blanchefleure. Sie hatte ihn erkannt, hob aber sachte die Hand, nicht zu stören. Bald danach war der Satz zu Ende und während die Herren und Damen vom Adel entzückt zu den Spielern traten, reichte Herr Kapitän Thaller der armen, reizend blassen Blanchefleure seine ehrlichen Hände, um ihr seinen Antrag zu machen.

Sie hörte ihn mit hochgezogenen erstaunten Augenbrauen an, als er begann: „Sie sind jetzt Witwe und arm wie eine Appenzeller Kuhdirn, Gott sei Dank.“

„Oh!“ zweifelte sie: „Ah?“

„In jetziger Zeit aber sind wir Soldaten alles. Die Revolution glaubt den Offizier zu vernichten und macht ihn zum Herrgott. Unsereins krabbelt es in den Händen, so stark sind wir jetzt! Ich werde Sie also aus dem Höhlenloch herausholen: wie, das werden Quintus und ich schon zuwege bringen.“

„Warten Sie,“ sagte Blanchefleure, „da kommt eine Menuett.“

Wirklich begannen die vier Musikanten einen jener reizenden Tänze der eleganten Zeit zu spielen, bei dem man sich mit Augen und Fingerspitzen Dinge sagte, für die sich der plebejisch umschlingende Walzer keinen Rat weiß. Und die ganz leichtsinnigen von den Herren und Damen ordneten sich zum Antritt.

„Es ist vielleicht die letzte Menuett,“ entschuldigte Blanchefleure mit reizendem Lächeln; „und ich würde es sehr beklagen, sie nicht getanzt zu haben: — mit Ihnen, Herr Kapitän,“ fügte sie herzbezwingend hinzu, als der arme Junge tiefbetrübt zurücktrat, und sie nahm ihn bei der Hand. „Scheuen Sie sich doch nicht,“ fuhr sie fort. „Wir haben doch Egalité, Fraternité. Was, Sie glauben auch nicht recht daran? Immerhin; ich tanze gern mit Ihnen.“

Und der süße, schwermütig kokette Tanz des todesnahen Leichtsinns begann. Kein Totentanz war so wie der. So voll leichtfertiger Absage an das Ende. Es war die Melodie der Menuett aus dem Don Giovanni und sie spielte wie diese kurz vor dem ersten Zuschlagen des Schicksals; übermütig frivol und graziös wie diese.

Im Annähern fuhr Primus Thaller mit seiner ehrlich heißen Werbung fort. „Ich habe Sie lieb wie keine andere und Sie sollen meine Frau sein.“