Das neckische Zurückweichen des Tanzes der Koketterie führte Blanchefleure von ihm weg. Ihre Augen lachten, aber sie sagte: „Was Ihnen nicht einfällt. Sie sind geschmacklos, mein Freund.“
Wieder schwemmten sie die weichen Wogen des Tanzrhythmus zu ihm; ihre Hände umschlangen sich. „Mein Geliebter wären Sie vielleicht worden, dort unten in La Réole, wo die Herdenglocken süße, befreite Natur predigen. Ich hatte immer meine Saison der Naturrückkehr.“
Und sie neigte sich zurück und schritt im neckenden Taktschritt davon, während das Herz des armen Primus in Flammen tobte, gebändigt vom Tanzgesetz, von der allgemeinen Grazie, innerlich aber unbändig, als ob die ganze Revolution in ihm gefesselt läge und gefoppt würde. Und wieder kam sie zurück: „Aber Madame Thaller zu werden — mein lieber, ehrlicher Freund aus Appenzell! Was denken Sie? Man könnte Sie küssen für so viel Naivetät! Ach, daß wir nicht mehr in La Réole unsere Komödie haben durften. Welche Bêtise! Nun müssen wir sogar auf den Kuß verzichten! Außer Sie wollten mit einem Handkuß vorlieb nehmen?“
Es kam nun die Stelle in der Menuett, da auf dem Theater der Wehschrei Zerlinens den süßen Leichtsinn zerreißt. Und obwohl die galanten Herren Miradoux, Vicomte Chantigny, Avenarius und Abbé Mervioli die Noten für eine kleine ununterbrochene Rückkehr zu einem fröhlichen Dacapo überarbeitet hatten, gebot doch das Schicksal den Originalsatz. Die Tür wurde aufgerissen und eine arge Branntweinstimme zerriß das Blumengewinde eines kurzen Traumes.
„Ihr da, Bürger und Bürgerinnen! Ruhe im Namen der Republik!“
Der Reigen erstarrte zu Eis, hinhorchten Herren und Damen, denn jene Unterbrechung kannten sie. Es war die alltägliche Verlesung der Namen jener, welche vor Gericht geladen waren, um — recht oft — verurteilt zu werden. Aus dem Temple ging der Weg besonders leicht in die Sackgasse mit dem einzigen Fenster nach der Ewigkeit, dem Loch der Guillotine.
Diesmal wurde auch der Name der kleinen Bürgerin Massimel verlesen. „Hier,“ rief sie, aber sie war erbleicht.
„Denken Sie jetzt an meinen Antrag?“ fragte Primus Thaller, angstvoll hinter sie tretend.
Die arme, blasse Blanchefleure sah ihn mit ihren erschrockenen Augen an, über denen verwunderte Augenbrauen standen. „Ach Gott, mein Freund,“ sagte sie kläglich. „Ihre Republikaner lassen einem nicht einmal sein bißchen Tanzfreude. Dort in der Ecke steht meine kleine Zofe, die sich mit mir einsperren hat lassen. Zénobe! Du darfst mit diesem Herrn weitertanzen. Bitte, entschuldigen Sie mich wegen dieser fatalen Verhinderung und nehmen Sie mit ihr vorlieb; sie ist ein reizendes Kind.
Adieu, mein Freund!“