„Mein Gott, wie sehen Sie denn aus!“ platzte die arme Blanchefleure tiefrot im ganzen Antlitz hervor. „Wenn man solche Pantalons anhat wie Sie!“ Und sie drückte die Hände vors Gesicht und lachte wie ein dummer Backfisch.

Pouprac warf einen Blick auf seine Hosen aus blau-weiß-rotgestreiftem Kattun, auf diese stolze Flagge und Schaustellung seiner republikanischen Gesinnung. Dann sprang er wütend auf seine beiden nationalgetigerten Beine: „Sie sind des Todes schuldig, Bürgerin Massimel,“ brüllte er. „Des Todes wegen Beleidigung der französischen Nationalfahne!“

Da zog die kleine Marquise die Hände von ihrem Antlitz und sah ihn an, hohe, erstaunte, drollige Augenbrauen, gerümpfte Nase: „Sie, Sie wollen mich richten! Waschen Sie sich und ziehen Sie Strümpfe an, bevor Sie mich nur bedienen wollen!“

Und sie ging. Sie hatte sich auf das Schafott gelacht.


Mein Großvater hörte nur noch von ihr, wie sie nicht zulassen wollte, daß man ihr die Haare abschneide. „Meinen Sie,“ hatte sie den Gerichtsbeamten gefragt, „daß das unbedingt nötig ist? Der Mann auf dem Gerüst kann sie gebrauchen, um das Haupt daran in die Höhe zu heben: — nachher; wie das so eine Ihrer Gewohnheiten sein soll.“

Und als der Sansculotte mit grober Kürze darauf bestand, hatte sie die lieblichen Schultern gezuckt: „Meinetwegen. Ich wußte schon, als Sie kamen, mich zu köpfen, daß Sie keinen ästhetischen Sinn haben. Und ich habe recht behalten.“

Nach diesen letzten, befreit geistigen Worten starb sie aber dennoch als armes, zitterndes Weib.

Sie starben und alle, die um sie hätten weinen können, waren tot oder hatten an das eigene Sterben zu denken. So verstand keine Seele, was mit der schönen Blanchefleure zu Ende gegangen war, die ihr Lebelang recht behalten hatte.

Auch mein armer Großvater hat sie nie verstanden.