In der goldgelb tapezierten Stube trennte kein Wall von Reifröcken mehr zwei Glückliche.

In der seligen Ruhe, die über beide kam, als sie sich endlich Geliebter und Geliebte nennen durften, lachte dann Dorette in seinen Armen sehr leise.

„O du Schönste, du!“ rief er und küßte sie. „Beginnst du schon wieder mich zu verspotten?“

„Ei freilick,“ lächelte sie. „Denn diesmal 'ast du vergeß' zu wieder'olen dein' Pointe.“

Der Salon der Frau
von Vermillon,
oder:
Das Register.

Diese Blätter bilden einen Teil der Memoiren, welche die Gesellschaftsdame der Admiralin Madame Reinezabelle de Vermillon hinterlassen hat. Es geht aus diesen Blättern hervor, daß Madame de Vermillon eine Freundin brauchte, die den Ruf guter Moral mit christlicher Duldung vereinigte und das Französische nicht weitgehend genug verstand, um allerfeinste Anspielungen, verdeckte Bitten, Zusagen und Versprechungen zu durchschauen. Demoiselle Babette Strüntzel aus Straßburg scheint all diesen Anforderungen entsprochen zu haben. Sie schreibt:

„Meine liebe Frau Admiralin war beständig Strohwitwe. Warum nur? Admiral Graf Vermillon, der in Marseille Hafenkommandant war, hätte sich Urlaub genug verschaffen können, um nach dem allgemein begehrten Paris zu kommen. Jedoch er kam nur selten. War er bei Hofe übel angeschrieben? Weiß Gott! Er muß ein prächtiger Mann von großer Keuschheit gewesen sein, denn man hörte keineswegs von ihm jene Geschichten, durch welche die Herren des ancien régime in den Verdacht der Frivolität geraten sind. Im Gegenteil. Er fühlte sich nur wohl in der übermütigen Gesellschaft seiner jüngsten Kameraden und wurde von den Kadetten zur See geradezu angebetet.