»Du scherzest. Ein Mann wie du. Erste Nummer in der Welt des Eisens. Aber nicht des alten.«

»Ich kann mich in den neumodischen Kram nicht hineinleben. Trink mal. Gelt, ein Tröpfchen? Ja, was ich sagen wollte: oft frag’ ich mich, leide ich seit meiner neuen Ehe an Gehirnerweichung? Hab’ ich plötzlich jedes eigene Urteil verloren? Bin ich wirklich mit dem Dämelsack geschlagen? Wir lesen einen Roman zusammen. Meine Frau fiebert vor Entzücken. Und mir ist zum Übelwerden langweilig zu Mute. Ich halte den Kerl, den Romanschreiber, für einen Idioten, für einen schlappen Hund. Meine Frau hält ihn für einen Halbgott, für einen feinnervigen Kulturmenschen. Weiter. Wir genießen Musik. Wir Kölner sind alle musikalisch — na, wem sag’ ich das, Meisterseele. Und nun fegt etwas daher, duckt sich, springt mir an den Kopf, wirbelt mir das Gehirn zuunterst, zuoberst, entläßt mich mit einem Schlag auf den Magen, und meine Frau schluchzt vor Entzückung: Das ist Musik, das ist Gedankenvertonung, Geistesextrakt! — Ich bin wahrhaftig ein moderner Mensch. Sieh dir meine Fabrik an. Lüttgen to the front! Darauf kannst du ruhig das Sakrament nehmen. Ich habe die modernste Fabrik. Aber modern — zum Teufel, das ist doch nicht hysterisch! Prost, Joseph! Eine Flasche mit Verständnis trinken, das ist nämlich gemein.«

»Ihr versteht euch nicht?«

»Meine tausend Arbeiter verstehen mich aufs Wort. Für meine Frau rede ich kalmückisch.«

»Das wird wieder anders werden.«

»Was? Du denkst wohl, ich lamentiere? Jeder liegt, wie er sich bettet. Und nun freu’ ich mich, daß ich dich hier habe. Du mußt häufig kommen. Wir verstehen uns.«

Eine Anzahl Herren traten ein. »Nicht zu sagen! Wir genießen mit den Ohren, und hier genießt man mit der Zunge. So eine Hinterhältigkeit.«

»Wenn ihr Kunstkenner sein wollt, müßt ihr der Kunst ein Opfer bringen können. Beeilt euch! Drinnen gibt’s jetzt ein Violinkonzert.«

»Lüttgen, sei barmherzig. Ein Glas Wein und eine Zigarre. Frau Amely sieht’s nicht.«

Vor Otten stand ein junger, hübscher Mensch. Dunkles weiches Haar fiel ihm über die Stirn, und die großen, dunklen Augen kokettierten mit ihrer Schönheit. »Herr Doktor,« sagte er schmeichelnd, »Sie kennen mich ganz gewiß nicht mehr.«