»Ein Narr wartet auf Antwort.«

VII

Der alte Klaus hatte den kurzen Schlaf des Alters. Die Jahreszeit sprach für ihn nicht mit. Schlug es vier Uhr von den Kirchtürmen, so regte sich der einstmalige Schiffer in ihm, der auch im Ruhestand die Gewohnheit der Stundeneinteilung festhält. Er machte Licht, kontrollierte seine Uhr, zog brummelnd die Hosen über und zündete Feuer im eisernen Trommelöfchen an. Bis das Kaffeewasser im Topf brodelte, rauchte er sinnend die erste Morgenpfeife.

Heute wollte das Wasser nicht so schnell zum Kochen kommen. Aber der Alte hatte Zeit. Er langte vom Bort ein abgegriffenes Büchelchen herunter, das handlich zwischen Töpfen und Tabakskasten steckte, befestigte die Brille hinter den Ohren, leckte den breiten Daumen an und blätterte die Seiten um. Buchstabe für Buchstabe las er die Historie von seines großen Ahns Nikolaus Gülich, Band- und Manufakturwarenhändlers zu Köln, Heldentaten, Untaten und ruhmreichem Tode durch Henkershand auf freiem Platze, zu seinem ewigen Andenken genannt Gülichsplatz. Ein Lächeln der Befriedigung auf den verwitterten Zügen, hielt der Alte seine Morgenandacht ...

Plötzlich schob er mit einem Ruck die Brille auf die Stirn. Hatte es da nicht geklopft? Von draußen ans Fenster geklopft? Und jetzt klopfte es wieder. Leise, aber bestimmt.

Der Alte erhob sich, legte das Buch sorglich auf den Schemel und schlurfte zum Fenster. Er öffnete und suchte mit geschärftem Blick in der Dunkelheit. Draußen stand ein Mann, den Hut in die Augen gedrückt.

»Wer is da?«

»Ein armer reisender Handwerksbursche bittet um Herberge.«

»Ich glöw, du bis besoffe. Hier is kein Schlafstell’.«

»Beim heiligen Christoph, aller Vagabunden Schutzpatron, laß mich herein, Klaus.«