»Nur deshalb?«
Sie schloß die Augen. »Frag mich nicht. Ich freue mich ja doch.«
Da nahm er sie fest in die Arme und blickte über ihr Haar hinweg, damit sie ihrer Bewegung nachgeben konnte.
»Wollen wir jetzt Carmen besuchen?«
»Sie ist eine Langschläferin,« sagte sie und trocknete sich heimlich die Augen. »So große Fräulein besucht man eigentlich nicht am Bett.«
»Es scheint, daß ich mir hier erst wieder Respekt verschaffen muß.«
»Tritt leise auf. Wir gehen in ihre Kammer.«
Sie nahm das Licht und ging voraus. Und während er ihr leise folgte, staunte er über ihre Selbstbeherrschung, und es durchzuckte ihn wie ein Stolz, daß die Seele dieser Frau nichts wußte als sein Bild. Er berührte ihre Schulter, und sie blickte nach ihm zurück. Eine Sekunde zögerte ihr Fuß. Und er beugte sich vor, mit bittenden Augen, stützte ihren Arm, der das Licht hielt, und wartete. Da lehnte sie den Hinterkopf gegen seine Brust. So küßten sie sich. — —
Sie traten leise in die Kammer und sahen sich mit flimmernden Augen um. Kaum erkannte er sein Kind wieder. Der dunkle Lockenkopf, der da in den Kissen lag, zeigte eigene Züge. Lieblichkeit und Eigenwillen. Aber der Eigenwille herrschte vor. Und der Mann am Bette dachte an die Worte des alten Klaus: Akkerat wie ihr Vadder ...
»Sie wird sehr selbständig werden,« sagte Frau Maria draußen. »Man möchte Kinder immer am liebsten klein behalten.«