»Freu dich, daß sie so aufblüht. Die Rasse läßt sich nicht unterkriegen.«

»Darum trauere ich nicht,« meinte Frau Maria. »Es ist etwas anderes, etwas, wofür ich schwer die Worte finde. Die Mutter fühlt, daß das Kind mehr und mehr ihrer Sorge entwächst.«

»Ja,« erwiderte Otten nachdenklich, »darin muß für die Eltern eine Lebenstragik liegen, daß sie zusehen müssen, wie die Kinder sich ablösen, wie der Teil ihres Selbst für sich ein Ganzes wird.«

»Wenn beide Eltern leben, ist es minder schwer. Man rückt noch um ein weniges näher zusammen und verdeckt sich so die Lücke. Nun, darüber vergehen noch Jahre.«

»Daß wir zusammenrücken?«

»Bis die Lebenstragik der Eltern, wie du es nennst, an uns herantritt.« Frau Maria stellte das Licht auf den Tisch ihres Schlafzimmers. »Du siehst abgespannt aus, Joseph. Ich lass’ dich jetzt allein.«

»Du glaubst doch nicht, daß ich jetzt noch schlafen werde?«

»Tu es mir zulieb, Joseph. Wenn du aufwachst, bist du erst wirklich daheim, und die alten Traumbilder sind in die Ecken gescheucht. Versuch es.«

»Die alten Traumbilder? Alte oder neue, unter mein Dach sollen sie mir nicht folgen.«

»Tu es mir zulieb,« bat sie noch einmal.