»Es ist wie Weihnachten,« sagte Otten, »als ich noch ein Junge war. Das ganze Jahr hatt’ ich Unfug getrieben, vor dem Klingelzeichen macht’ ich ein fromm Gesicht, spürte plötzlich starke Gewissensbisse und kriegte für diese geringe Anstrengung den Schoß voll Geschenke.«

»Und dann spieltest du nach rechter Jungensart doch am liebsten mit den Geschenken, die dir nicht gehörten.«

»Ja, das tat ich, und es ist an mir hängen geblieben.«

»Die Menschen sind schuld,« verteidigte sie ihn, »sie haben dich verwöhnt, ob mit, ob gegen deinen Wunsch.«

»Bande!« stieß Otten hervor. »Sie will den Künstler gar nicht anders. Sie macht uns zu dem, was wir werden, durch ihre verdammte Sklaverei. Bleib bei mir sitzen, Maria. Der eigene Weihnachtstisch ist doch der beste. Es schwebt selbstlose Liebe darüber.«

»Du sollst jetzt schlafen, Joseph.«

»Ach du, Maria, es tut so gut, auf andere Leute schimpfen, wenn man sich selber nicht ganz sauber fühlt ...«

Dann betrachtete er sie verstohlen, während er ruhig atmend lag. Die Jahre hatten ihr wenig angetan. Um die Augen ein paar kaum sichtbare Runen, um den Mund eine tiefer gezogene Spur — aber die aufrechte Haltung des Körpers und die ernste Ruhe des Kopfes lenkten den Blick von den Einzelheiten auf das Gesamtbild. Und er drückte, einer heißen Wallung folgend, fest ihre Hand, die er noch immer hielt.

»Auch du hast Kämpfe gehabt, Maria, und sie waren schwerer als meine. Weil du dich nicht mitteilen konntest.«

»Ich habe dir regelmäßig berichtet, Joseph.«