»Umso schlimmer, wenn er es dir überläßt. Still! Tapferkeit ist lobenswert, Tollkühnheit eine Dummheit. Und gestern erst schienst du mir ein ganz kluges Mädel zu sein.«

»Ach, Vater,« schmeichelte sie, »war das gestern abend schön.«

»Da hört doch die Weltgeschichte auf. Du wärest im stande, hier eine Wiederholung zu befürworten.«

»Du, Vater, sei doch nicht böse. Um solch eine Kleinigkeit brauchst du doch nicht gleich den alten König zu spielen, der einem die Hand aufs Herz legt. Da gibt’s doch ganz andere Sachen.«

»Das wird ja immer hübscher. Darf ich ergebenst fragen, was das für Sachen sind?«

»Ja,« sagte sie, warf den Kopf zurück und blinzelte den Vater an, »das kann ich doch noch nicht wissen. Mönche und kleine Mädchen sollen nicht vorwitzig sein.«

Joseph Otten strich sich mit der Hand über das Gesicht, um seine Würde zu bewahren. »Mir scheint, mir soll da ein Butt mit Ohren und Schnüßchen serviert werden.«

»Ein Butt, nur ein Butt!« rief Carmen lachend und hängte sich an des Vaters Hals. Mit Mühe erwehrte er sich ihrer stürmischen Liebkosungen. Aber die ernste Miene war unrettbar dahin. »Viel Talent zum Kindererziehen ist nach dieser Probe nicht zu konstatieren,« sagte er sich seufzend.

»Nimmst du mich mit, Vater? Wohin geht ihr?«

»Herr Doktor,« bat Moritz Lachner.