Er nahm eine Visitenkarte und füllte sie mit einer Zeile aus.

»Dr. Joseph Otten — bedauert, der freundlichen Einladung auf Mittwochabend nicht Folge leisten zu können.«

Er kuvertierte und schrieb die Adresse. »Herrn Fabrikbesitzer Karl Lüttgen und Frau Gemahlin.«

»Erstens,« sagte er sich, als er den Brief in den Kasten steckte, »ladet man mich nicht wenige Tage vorher durch eine übriggebliebene Drucksache ein, als ob ich mit beiden Händen danach greifen würde. Zweitens: eine schöne Frau, die nur Malicen zu vergeben hat, das ist Destillation auf trockenem Wege. Scheußlich.« —

Am Abend brachte ein Dienstmann ein Briefchen. »Ich kriegen Antwort, Herr Doktor.« Otten sah nach der Unterschrift. »Karl Lüttgen.« Er zuckte die Achsel. »Solche Zähigkeit.« Dann las er:

»Lieber Joseph! Du würdest mir eine große Freude bereiten, wenn Du mir gestattetest, den Abend mit Dir gemeinsam zu verbringen. Wollen wir uns in der Komödienstraße, in der ›Ewigen Lampe‹ treffen? Nur um ein Dir bequem liegendes Rendezvous anzugeben. Von dort können wir weiter. Fürchte kein Attentat wegen Deines Erscheinens respektive Nichterscheinens am Mittwoch. Im Gegenteil. Dein Karl Lüttgen.«

Otten schüttelte den Kopf. »Dieses ›im Gegenteil‹ ist so köstlich, daß es belohnt zu werden verdient.« Er setzte sich hin und schrieb Antwort: »Werde in einer Stunde zur Stelle sein. Ebenfalls sehr erfreut. Dein Otten.«

Er händigte das Billett dem Dienstmann ein, der es sorglich im Innern seiner Mütze unterbrachte.

»Et rücht hier jet brenzlich, Herr Doktor.«

Otten nahm seine Zigarrentasche heraus. »Probiert ens selwer.«